Als Sandra Feiel im Juli 2024 die Dorfschenke Mühlbach – Die Bar eröffnete, wollte sie keinen austauschbaren Szenetreff, sondern einen persönlichen Ort, an dem Jung und Alt wieder selbstverständlich zusammenkommen. Statt darauf zu warten, dass Nachtleben „von selbst“ läuft, setzt sie auf aktiv gestaltete Abende – mit Happy Hour, Livemusik, Tanz- und Themenabenden sowie Dart als sozialem Türöffner – und bietet zugleich Raum für private Feiern wie Geburtstage oder Sitzungen. So wird die Dorfschenke Mühlbach zu einem regionalen Treffpunkt, der Gemeinschaft stärkt und zeigt, wie man Nachtleben mit Charme und Präsenz neu beleben kann.
Wirtschaftsmacher.com: Frau Feiel, was ist die Dorfschenke Mühlbach für Sie – und was ist sie für Ihre Gäste?
Sandra Feiel: Für mich ist sie ein Ort, an dem Gemeinschaft wieder ganz selbstverständlich passiert. An einem guten Abend stehen bei uns drei Generationen nebeneinander an der Bar: Die einen kommen auf ein schnelles Getränk nach der Arbeit, die anderen zum Dartspielen, und später wird zu Livemusik getanzt. Genau diese Mischung hat mir früher vielerorts gefehlt. Die Dorfschenke ist klein, urig und überschaubar – aber gerade das macht sie persönlich. Man kennt sich, man redet miteinander, und man geht selten nach Hause, ohne zumindest ein neues Gesicht kennengelernt zu haben.
Wirtschaftsmacher.com: Sie sagen offen, dass Nachtgeschäft heute nicht mehr „von selbst“ läuft. Was meinen Sie damit?
Sandra Feiel: Früher war vieles Routine: aufsperren – und die Leute kommen. Heute muss man gestalten. Wer ein Nachtlokal führt, muss präsent sein, regelmäßig neue Ideen bringen und die Menschen im Ort aktiv einbinden. Bei mir hat sich sehr schnell gezeigt: Wenn du mit Vereinen, Stammtischen und Initiativen zusammenarbeitest, entsteht wieder Bewegung. Es ist ein Geben und Nehmen – und genau das funktioniert.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Angebote tragen diese Lebendigkeit konkret?
Sandra Feiel: Wir haben ein breites Getränkeangebot und setzen stark auf Veranstaltungen: Happy Hour, Livemusik, Tanzabende und Themenabende. Dazu kommt Dart – das ist oft ein überraschend guter Türöffner, weil man schnell ins Gespräch kommt. Wichtig ist mir: Es gibt kein starres Programm „für alle“, sondern Formate, die zur Region und zu den Menschen passen. Manche Abende funktionieren besser ruhig und gesellig, andere brauchen Musik und Energie.
Wirtschaftsmacher.com: Viele suchen heute flexible Orte für private Feiern. Bieten Sie das an?
Sandra Feiel: Ja – und das ist für viele ein echter Vorteil. Unsere Räumlichkeiten kann man für geschlossene Feiern wie Geburtstage, Polterabende oder auch Sitzungen nutzen. Ich unterstütze bei der Planung, und bei Bedarf sind auch Speisen möglich. Gerade in kleineren Regionen ist es hilfreich, wenn man einen Ort hat, der unkompliziert und persönlich mitdenkt – ohne dass alles „Eventindustrie“ sein muss.
Wirtschaftsmacher.com: Ihre Selbstständigkeit begann im Juli 2024. Was hat Sie angetrieben?
Sandra Feiel: Ich bin seit meiner Lehrzeit in der Gastronomie – als Koch/Kellnerin – und habe in vielen Häusern erlebt, wie wichtig Atmosphäre und zwischenmenschlicher Umgang sind. Mit 20 bin ich von der Steiermark ins Pinzgau gezogen, hier lebe ich seit 22 Jahren. Irgendwann war klar: Ich will meine Ideen nicht mehr „abgeben“, sondern selbst umsetzen. Eine Bar zu führen heißt Verantwortung – aber auch Freiheit. Und diese Freiheit war für mich der entscheidende Schritt.
Wirtschaftsmacher.com: Sie beschreiben sich nicht nur als Barchefin, sondern auch als Mentorin. Wie zeigt sich das?
Sandra Feiel: In einer Bar bist du manchmal mehr als Gastgeberin. Es gibt Abende, da kommt jemand nur auf ein Getränk – und bleibt, weil er reden möchte. Ich höre viel zu, gerade jungen Menschen. Nicht, weil ich „alles besser weiß“, sondern weil es ihnen oft hilft, wenn jemand einfach präsent ist. Das klingt klein, macht aber für viele einen großen Unterschied.
Wirtschaftsmacher.com: Wenn Sie Ihre Erfahrungen zusammenfassen – was können andere Unternehmerinnen und Unternehmer daraus mitnehmen?
Sandra Feiel: Erstens: Nähe ist ein Wettbewerbsvorteil. Gerade in Zeiten, in denen vieles anonym wird, wirkt persönliche Ansprache stärker als jede Hochglanz-Idee.
Zweitens: Kooperation schlägt Konkurrenz. In der Gastronomie bringt es langfristig mehr, wenn Wirte und Vereine zusammenhalten, statt gegeneinander zu arbeiten.
Drittens: Ein gutes Konzept lebt von Anpassung. Nicht jeder Trend passt zur eigenen Region. Man muss beobachten, zuhören und Formate entwickeln, die wirklich angenommen werden.
Wirtschaftsmacher.com: Wohin soll sich die Dorfschenke Mühlbach weiterentwickeln?
Sandra Feiel: Ich möchte das Nachtleben in der Region wieder attraktiver machen – vor allem für junge Leute, ohne die älteren Gäste zu verlieren. Dafür will ich das Programm weiter ausbauen, neue Kooperationen starten und frische Themenabende etablieren. Gleichzeitig soll die Dorfschenke urig und gemütlich bleiben. Genau diese Mischung macht sie aus.
Wirtschaftsmacher.com: Welchen Rat geben Sie Menschen, die mit einer Idee starten?
Sandra Feiel: Vergesst nicht, warum ihr begonnen habt. Wenn ihr eure Vision ernst nehmt und die Menschen, für die ihr es macht, im Blick behaltet, entsteht etwas, das trägt. Geld ist wichtig – aber Vertrauen und echte Zufriedenheit der Gäste sind das, was euch langfristig weiterbringt.
Weitere Informationen zum Unternehmen und zu aktuellen Events gib es unter www.facebook.com/dorfschenkemuehlbach.