Freie Schulen kämpfen oft leiser um Personal als staatliche – und oft verzweifelter. Benjamin Müller, Gründer von BM Wachstum in Fichtenberg im Raum Schwäbisch Hall (ehemals Mainhardt), und selbst Vater zweier Waldorfschülerinnen, hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Müller, Sie kommen aus Vertrieb und Marketing – und helfen jetzt Waldorfschulen, Lehrkräfte zu finden. Wie passt das zusammen?
Benjamin Müller: Das klingt erstmal nach einem Bruch. Aber das war kein strategischer Plan. Meine beiden Töchter gehen in Schwäbisch Hall auf die Waldorfschule. Ich hab mitbekommen, wie schwer sich die Schule tut, Stellen zu besetzen. Und irgendwann dachte ich mir: Das Problem kenne ich doch. Das ist im Kern kein Pädagogik-Problem, das ist ein Sichtbarkeitsproblem. Die Schulen erreichen die richtigen Leute einfach nicht.
Wirtschaftsmacher.com: Der Fachkräftemangel an Schulen ist ja kein neues Thema. Was machen Waldorfschulen beim Recruiting falsch?
Benjamin Müller: Falsch ist ein hartes Wort. Aber viele Schulen machen es sich unnötig schwer. Die schalten eine Anzeige auf der eigenen Website, vielleicht noch beim Bund der Freien Waldorfschulen, und dann warten sie. Das war vor zehn Jahren vielleicht ausreichend. Heute nicht mehr. Man muss aktiv rausgehen – dorthin, wo sich Lehrkräfte tatsächlich bewegen. Und das ist Instagram, das ist Facebook. Nicht die Vereins-Website.
Wirtschaftsmacher.com: Was machen Sie konkret anders?
Benjamin Müller: Wir funktionieren wie eine ausgelagerte Abteilung der Schule. Kein Projekt, das irgendwann endet. Wir schauen uns an: Was macht diese Schule besonders? Was ist das Kollegium für ein Team? Wie fühlt sich der Ort an? Und dann übersetzen wir das in Social-Media-Kampagnen, die Menschen wirklich erreichen – mit echten Einblicken statt Floskeln. Wir schreiben keine Stellenanzeige, die klingt wie hundert andere. Wir zeigen, wie es ist, an genau dieser Schule zu arbeiten. Das funktioniert übrigens nach dem gleichen Prinzip auch bei der Elternansprache – Sichtbarkeit schaffen, wo die Zielgruppe tatsächlich ist.
Wirtschaftsmacher.com: Können Sie ein konkretes Ergebnis nennen?
Benjamin Müller: Die Waldorfschule Schwäbisch Hall. Die hatten über die Sommermonate 2025 einen akuten Bedarf – mehrere Stellen gleichzeitig offen, eine Extremsituation. Genau deshalb war es ein guter Testlauf. Am Ende konnten neun Lehrerstellen besetzt werden, die schnellste Zusage kam innerhalb einer Woche nach Erstkontakt. Das ist nicht bei jeder Schule so. Manche suchen eine Lehrkraft, manche drei. Aber das Prinzip bleibt: Wir erreichen Leute, die über klassische Ausschreibungen nie sichtbar geworden wären. Eugen Schlosser, Geschäftsführer der Waldorfschule Schwäbisch Hall, hat es so zusammengefasst: “Ziel erreicht, Invest hat sich gelohnt.” Das ist für mich das beste Feedback – wenn die Schule selbst sagt: hat funktioniert.
Wirtschaftsmacher.com: Kritiker könnten einwenden: Sie verdienen Geld mit gemeinnützigen Bildungseinrichtungen, die mit Elternbeiträgen und öffentlichen Zuschüssen arbeiten. Ist das nicht problematisch?
Benjamin Müller: Berechtigte Frage. Aber wenn eine Schule monatelang eine Stelle nicht besetzen kann, fallen Stunden aus. Kollegen springen ein, die sowieso am Limit sind. Die pädagogische Qualität leidet. Das kostet auch – nur rechnet das niemand zusammen. Wir sind ein kleines Team, vier Leute. Und ganz ehrlich: Dass meine eigenen Kinder dort zur Schule gehen, ist kein Marketing-Trick. Das ist meine Motivation. Ich will, dass diese Schulen funktionieren – nicht abstrakt, sondern ganz konkret für meine Töchter und deren Mitschüler.
Wirtschaftsmacher.com: Neun Lehrkräfte klingt beeindruckend. Aber wie stellen Sie sicher, dass die auch langfristig bleiben?
Benjamin Müller: Da muss ich ehrlich sein – garantieren kann ich das nicht. Kein Mensch kann das. Aber was wir anders machen: Wir filtern nicht nur nach Qualifikation, sondern nach Passung. Wer sich über unseren Prozess bewirbt, hat sich vorher intensiv mit der Schule beschäftigt. Der weiß, worauf er sich einlässt – auch darauf, dass Entscheidungen im Kollegium anders laufen als an staatlichen Schulen. Das ist ein riesiger Unterschied zu jemandem, der blind auf eine Stellenanzeige klickt. Wir können die richtigen Leute bringen. Halten muss sie die Schule.
Wirtschaftsmacher.com: Was würden Sie einer Schulleitung raten, die gerade verzweifelt nach Lehrkräften sucht?
Benjamin Müller: Hört auf zu warten. Der Lehrkräftemangel wird nicht von allein besser. Die Leute, die ihr braucht, gibt es – aber die sehen euch nicht. Traut euch, eure Schule zu zeigen, wie sie wirklich ist. Nicht die Hochglanzversion, sondern die echte. Mit den schönen Seiten und den anstrengenden. Menschen, die an freien Schulen ankommen und bleiben, wollen Echtheit. Und wenn ihr das nicht allein schafft, holt euch Unterstützung. Das ist keine Schwäche, das ist pragmatisch.
Benjamin Müller ist Gründer von BM Wachstum mit Sitz in Fichtenberg im Raum Schwäbisch Hall. Mit über 18 Jahren Erfahrung in Vertrieb und Marketing unterstützt er mit seinem vierköpfigen Team Waldorfschulen und freie Schulen bei der digitalen Lehrergewinnung über Social Media. Mehr unter bm-wachstum.de
Impressum:
BM Wachstum – Gemeinsam Erfolgreich
Benjamin Müller
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