Lukas Jäger zeigt mit seinem Hörcafé in Hollerbrunn, dass Hörakustik weit mehr ist als reine Technik. Im Gespräch mit Wirtschaftsmacher TV spricht der Hörakustikmeister über seinen ungewöhnlichen Einstieg in die Branche, warum Empathie oft wichtiger ist als das Produkt selbst und weshalb gutes Hören einen direkten Einfluss auf Lebensqualität, soziale Verbindung und sogar geistige Fitness hat. Ein Interview über Zuhören, Vertrauen und die Zukunft einer oft unterschätzten Branche.
Wirtschaftsmacher.com: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Wirtschaftsmacher TV. Wir sprechen heute mit Lukas Jäger, Hörakustikmeister und Inhaber des Hörcafé in Hollerbrunn. Einen besonderen Ort, an dem moderne Hörtechnologie auf persönliche Beratung, Empathie und echte Wohlfühlatmosphäre trifft. Herr Jäger, schön, dass Sie heute hier bei uns sind.
Lukas Jäger: Ja, danke schön. Ich freue mich auch, dass ich da bin und sein darf.
Wirtschaftsmacher.com: Danke sehr. Sie zeigen ja mit Ihrem Hörcafé sehr eindrucksvoll, wie gutes Hören die Lebensqualität natürlich erheblich steigert, gleichzeitig aber auch moderne Hörsysteme längst viel smarter und vernetzter sind als ein klassisches Hilfsmittel wie noch vor einigen Jahren.
Lukas Jäger: Richtig, ganz genau.
Wirtschaftsmacher.com: Wie sind Sie denn genau in die Hörakustik hineingestolpert?
Lukas Jäger: Es ist wirklich gestolpert. Gestartet habe ich auf der HTL Nachrichtentechnik, habe dann auch zusätzlich Konstruktionstechnik gelernt. Im Zuge dessen wurde dort der Formenbau zugesperrt und durch eine ehemalige Schulkollegin von der HTL, die schon selber in der Ausbildung war, bin ich eigentlich dann, wie du schon richtig gesagt hast, reingestolpert. Genau. Die hat gemeint, dieses Umfangreiche passt zu mir, dieses Persönliche und diese Kundenberatung und Kundenbetreuung, und habe mir das dann einmal zwei Wochen angeschaut und daraus sind dann 25 Jahre geworden von dem Schnuppern.
Wirtschaftsmacher.com: Das heißt, es war weniger die Faszination am Produkt selber, sondern eher die Faszination Mensch und das Persönliche daran?
Lukas Jäger: Ja, das ist eher eigentlich mein Vordergrund. Das Gute war, dass ich durch die Nachrichtentechnik das technische Know-how mitbringen konnte. Aber auch, weil es ja zwei Komponenten sind: einerseits die Technik, das Hörsystem selber, und die Otoplastik, das ist ein angepasstes Werkstück, das man hier und da auch einmal mit der Hand verfeinern muss oder nachbearbeiten muss. Das habe ich wieder von der Konstruktionstechnik mitbekommen. Aber der Hauptgrund war eigentlich, oder was ich dann wirklich schön fand, mit dem Kunden zu arbeiten und zwar diesen Mehrwert, ihm wieder etwas zurückzugeben. Weil für mich ist Kommunikation über die Jahre schon so wichtig geworden, weil es nicht nur heißt, dass wir uns unterhalten können, sondern auch, dass wir Informationen sammeln können, sprich auch für die Hirnleistung gut ist, und der soziale Kontakt vor allem bei mir, sage ich, der ausschlaggebende Punkt war, den Leuten wieder mehr zu verbinden. Gerade heutzutage ist das Thema sehr groß und sehr wichtig, weil, wie man so merkt, ist unsere Gesellschaft eher am Spalten, anstatt dass wir uns zusammenbringen. Und so finde ich, dass ich meinen Beruf ein bisschen dazu zweckentfremden kann, zum positiven Teil, und vielleicht da wieder neue Perspektiven schaffen kann.
Wirtschaftsmacher.com: Das heißt, bei Ihnen geht es nicht nur um gutes Hören, sondern auch um gutes Zuhören vor allem.
Lukas Jäger: Richtig, genau. Aktives Zuhören von meiner Seite ist unser Hauptton als Akustiker, um dann am Ende die beste Qualität und das beste Ergebnis für den Kunden zu erzielen.
Wirtschaftsmacher.com: Gab es einen besonderen Moment, in dem Sie selbst festgestellt haben, das ist nicht nur ein Job, sondern wirklich Ihre Berufung?
Lukas Jäger: Ja. Ab dem Zeitpunkt, wo meine Erfahrungswerte schon so hoch waren und ich doch schon auch viele Stationen in der Hörakustik durchlaufen bin – von Qualitätsmanager, von Trainer, von Leitungen diverser Filialen bis hin auch als Geschäftsleitung für ein großes Unternehmen – ist es dadurch entstanden, dass ich mich dort nicht so richtig mit meinem Job ausleben durfte. Daher auch die Selbstständigkeit, weil ich finde, dass man aus dem Job mehr machen kann, als was so überhaupt nach außen momentan wirkt. Ich sage so, dass unser Tun, das Hören, eher die zweite Stufe ist. Unsere erste Stufe ist doch eher das Psychologische. Wie vermittle ich dem Kunden oder der Person, wie wichtig das Hören selber ist? Wie viel muss ich tun, damit er eben nicht mehr so verängstigt ist, sei es jetzt der Preis, die Größe etc., dass ich da versuche, den Kunden auf eine empathische Art und Weise abzuholen.
Wirtschaftsmacher.com: Gab es da vielleicht auch den einen oder anderen Kunden, der vielleicht selbst schlechteres Hören hatte, aber mit diesem Thema sehr schamvoll umging? Und wie begegnen Sie solchen Menschen?
Lukas Jäger: Ich glaube, die meisten. Doch die meisten. Ich versuche natürlich im Erstgespräch da viel schon gutzumachen, wenn er wirklich mit der Baugröße kommt, dann mehrere Faktoren zu berücksichtigen, um vielleicht ein kleines Hörsystem anfertigen zu können. Aber das Spektrum an Hörsystemen, was Baugröße und Technik betrifft, ist so weit gefächert, dass man immer eine Lösung findet. Sei es jetzt das Optische, sei es das Hören – es gibt eigentlich in der Hörakustik immer eine Lösung. Man muss nur wissen wie.
Wirtschaftsmacher.com: Was macht jetzt Ihr Hörcafé in Hollerbrunn ganz anders als zum Beispiel klassische Hörakustiker?
Lukas Jäger: Also ich denke, dass ich von meiner Seite einen sehr familiären Betrieb habe, auch wenn ich jetzt ein einzelner Mensch bin, der da drinnen steht. Trotz allem versuche ich dort eine familiäre, harmonische Umgebung aufzubauen, weil ich denke, dass man doch dem Kunden auch sehr private und sehr intime Fragen stellt. Das braucht man auch für eine gute Beratung und für eine gute Lösung. Und da versuche ich doch, dem Ganzen entgegenzuwirken, indem ich sehr harmonisch das Ganze aufbaue, damit sich auch der Kunde lockerer und leichter öffnen kann. Bei mir ist auch wirklich sehr viel privat. Ich erfahre auch sehr viel vom Kunden, und das bleibt dann auch alles – so wie in Las Vegas – bei mir.
Wirtschaftsmacher.com: Und vielleicht auch deswegen der Name Hörcafé?
Lukas Jäger: Ja, Hörcafé natürlich. Dieser Wiener Charme, dieser Wiener Hörcafé-Charme soll da mit eingebaut werden. Klar könnte man es am Anfang ein bisschen falsch verstehen, wenn man nur den Namen liest, aber es ist auch ein gewisser Grund, weil man hinterfragt natürlich dann, was ist das überhaupt für ein Café. Und wenn man das dann dementsprechend schildert, was man da so tut und was der Hintergrund ist, dann kommt das schon sehr positiv an.
Wirtschaftsmacher.com: Das heißt, Kunden laufen prinzipiell immer Gefahr, dass sie bei dem Termin mit Ihnen sogar ein bisschen Spaß haben könnten?
Lukas Jäger: Das ist richtig, ja. So soll es auch sein. Natürlich gibt es auch ernste Themen, wenn es vom Kunden her kommt. Natürlich gibt es Situationen, die auch nicht so angenehm sind. Und mit dem muss man dann aber auch gut umgehen können.
Wirtschaftsmacher.com: Wie läuft dann so ein Termin bei Ihnen eigentlich ab – vom Kennenlernen bis hin zur Hörlösung?
Lukas Jäger: Man hat ja auch gewisse Vorschriften von der Krankenkasse, weil man ja einen gewissen Betrag abrechnen darf und kann. Wenn man es ganz grob nimmt: die erste Instanz ist natürlich, sich von mir beraten zu lassen. Wenn es das erste System ist, sollte man oder muss man doch auch zum HNO-Arzt gehen. Ob man das vorher oder nachher macht, ist irrelevant. Man kann auch das System ohne HNO-Arzt einmal für sich testen. Dann gibt es eine gewisse Vorgabe, dass ich zwei Wochen das Minimum machen muss. Ob sich der Kunde entscheidet oder nicht, sieht man dann im weiteren Verlauf. Eine Anpassung selber: Das Minimum sind zwei Wochen, im Schnitt sage ich aber, eine gute Anpassung wird zwei bis drei Monate dauern. Sitzungen, wenn es individuell sein soll oder während der Anpassung andere Lösungen notwendig sind, dann dauert das einen gewissen Zeitraum. Man hat aber auch während dem Ganzen dann auch die Serviceleistung von fünf Jahren. Das heißt, auch nach zwei, drei Monaten lasse ich meinen Kunden nicht fallen und sage, das war es jetzt, sondern man hat wirklich fünf Jahre die Möglichkeit, in diesem Preis, den man ohne die Krankenkasse begleicht, Service in Anspruch zu nehmen – sei es bei Einstellungen oder am Gerät selber.
Wirtschaftsmacher.com: Sie sagen ja selbst: Hören verbindet. Was bedeutet das konkret in Ihrer täglichen Arbeit mit Menschen?
Lukas Jäger: Den Kunden zu erreichen, ihm mehr Informationen als nur das Produkt nahezubringen. Er soll auch verstehen, was er da überhaupt hat. Ohne dieses Verstehen bringt es nicht viel, ein Hörsystem zu geben. Das heißt, da fängt schon einmal die Verbindung an, dass ich den Kunden versuche, so harmonisch und mit viel Empathie nahezulegen, warum, weshalb, weswegen. Nicht im Sinne von „sonst wird alles ganz schlimm werden“, sondern wirklich auf menschliche Art und Weise aufzuzeigen, wenn man nichts machen würde, in welche Richtung sich das entwickelt. Man kann nur mit Hörsystemen so weit arbeiten, wie die aktuelle Hörleistung es zulässt. Das heißt, würde der Kunde nur mehr 30 Prozent verstehen, dann kann ich nur mit diesen 30 Prozent arbeiten. Aber wir versuchen, diese 30 Prozent so lange wie möglich zu erhalten, weil es eine Art Trainingsgerät ist. Das Hörsystem dient nicht nur zur alltäglichen Erleichterung, sondern auch vorbeugend, dass das Hören, das man momentan hat, nicht schneller schlechter wird.
Wirtschaftsmacher.com: Das heißt, ähnlich wie bei einer Brille, dass der Hörverlust etwas langsamer voranschreitet?
Lukas Jäger: Ja. Der schleichende Prozess ist oft für den Kunden fatal, weil er gar nicht mitkriegt, dass er schlechter hört. Meist merkt es der Außenstehende: „Du wiederholst, du fragst oft nach.“ Und so kommt man darauf, dass man das Ganze vielleicht einmal überprüfen lassen sollte. Das, was wir gewohnt sind, ist für uns eine normale Basis. Dieser schleichende Prozess führt dazu, dass ein gewisser Zustand als normal empfunden wird. Das ist der Anfang bei der Anpassung oft das Schwierigste: dem Kunden wieder die Lautstärke zu geben, die er eigentlich benötigt. Das ist oft eine Herausforderung, weil es überfordert. Lautstärke bedeutet auch sehr viele Informationen. Das Hören findet im Kopf statt. Das Gehirn muss das erst wieder aufarbeiten, und deswegen dauert die Anpassung oft länger.
Wirtschaftsmacher.com: Woran merken Ihre Kunden, dass Ihnen gute Beratung wichtiger ist als der schnelle Verkauf?
Lukas Jäger: Meine Geduld. Ich stresse meinen Kunden nicht. Mein Kunde bezahlt auch nicht, wenn ich nicht weiß, dass er zufrieden ist. Es wird auch nicht mit der Krankenkasse verrechnet, bis mir der Kunde das „Go“ gibt. Und wenn er schon zufrieden ist und ich nicht zufrieden bin, dann mache ich weiter, bis ich zufrieden bin. Es hat einen gewissen Preis, das muss man direkt sagen. Und für den Preis soll auch diese Leistung vom Hörakustiker inkludiert sein. Da muss man alles daransetzen, dass das funktioniert. Das wäre dasselbe, als würde ich ein Auto verkaufen und das Lenkrad verstecken – das bringt nichts. Es muss einen Sinn und Zweck haben. Wenn das nicht erfüllt ist, bringt das Produkt am Ende nichts.
Wirtschaftsmacher.com: Mit welchen Vorurteilen gegenüber Hörgeräten werden Sie am häufigsten konfrontiert?
Lukas Jäger: Der Preis. Der Preis ist momentan das Hauptthema. Die Leute werden sehr hellhörig. Es gibt am Markt hohe Preise, die gerade in heutigen Zeiten für viele nicht machbar sind. Das ist das größte Problem. Und die Baugröße. Klar. Aber man muss zwei große Faktoren berücksichtigen: die Anatomie des Ohres und das Hörvermögen selbst. Je höher der Bedarf, desto größer muss leider das Gerät sein, weil mehr Leistung benötigt wird. Aber die Geräte sind heutzutage in einer sehr schönen Bauform und nicht mehr diese „Kasteln“ wie früher.
Wirtschaftsmacher.com: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen gutem Hören, geistiger Fitness und Themen wie Demenz?
Lukas Jäger: Ja, absolut. Wenn wir uns vorstellen, wir kommen auf die Welt und würden nichts hören – allein die Mutterstimme ist extrem wichtig, nicht nur was sie sagt, sondern auch die Frequenz. Wenn ich das weiterspinne: Wenn ich schlechter höre, ziehe ich mich sozial zurück, bekomme weniger Informationen, mein Gehirn auch. Und das kann am Ende zu Demenz führen.
Wirtschaftsmacher.com: Wo sehen Sie Ihr Hörcafé in den nächsten fünf Jahren?
Lukas Jäger: Noch in Hollerbrunn. Ich stehe noch am Anfang, vieles entwickelt sich erst. Man muss sich am Markt positionieren und schauen, was gut funktioniert. In fünf Jahren möchte ich, dass mein Name als Hörakustiker gleichgesetzt wird mit meinen Leistungen und dass es anders ist als bei anderen Anbietern. Dass man wieder in diese Kundenbetreuung reingeht, die man eigentlich gewohnt ist und die es heute oft nicht mehr gibt. Die Wertigkeit des Hörakustikers wieder anheben.
Wirtschaftsmacher.com: Wenn Sie einem jungen Menschen raten müssten, der in die Hörakustik einsteigen möchte – welche Eigenschaften braucht man?
Lukas Jäger: Es ist nicht nur der technische Part, sondern auch der psychologische. Lösungsorientiertes Denken, selbstständiges Denken, Empathie und Geduld – das ist das Um und Auf.
Wirtschaftsmacher.com: Ist das auch Ihr persönliches Erfolgsgeheimnis?
Lukas Jäger: Natürlich. Diese ersten paar Sekunden der Begegnung sind ausschlaggebend. Da hängt Vertrauen dran. Und dieses Vertrauen möchte ich von meinen Kunden, weil auf dieser Basis entstehen die besten Lösungen.
Wirtschaftsmacher.com: Und abschließend: Gibt es bei Ihnen im Hörcafé auch wirklich guten Kaffee?
Lukas Jäger: Ja. Ich habe einen Siebträger, eine originale italienische Maschine. Und natürlich sind auch die Kaffeebohnen sehr wichtig. Ich verwende regionalen Kaffee und versuche auch da gut zu netzwerken.
Wirtschaftsmacher.com: Wo dürfen Ihre Kundinnen und Kunden Sie besuchen?
Lukas Jäger: In der Pfarrgasse Nummer 8. Einfach telefonisch einen Termin vereinbaren. Man findet mich auch auf Instagram und Facebook unter Lukas Jäger. Dort wird es in Zukunft auch mehr Informationen rund ums Hören und die Technik geben. Und sei es nur für einen guten Kaffee in Hollerbrunn, um sich den Laden anzuschauen oder mich kennenzulernen. Auch für Verwandte oder Bekannte – gerne einfach vorbeikommen.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Gespräch.
Lukas Jäger: Danke ebenfalls.
Jetzt informieren oder Termin vereinbaren über www.hoercafe.at.