Thomas Kellinger hat sich in elf Jahren vom gelernten Mechaniker zu einem der gefragtesten Realistik-Tätowierer Europas entwickelt. Mit seinem einzigartigen Hexagon-Realistik-Stil schuf er eine Technik mit klarem Wiedererkennungswert, die es weltweit nur einmal gibt. 25 Auszeichnungen, internationale Kund:innen und ein neues, bewusst provokatives Projekt – ein eigener Likör als zweites Standbein – markieren seinen Weg.
Wirtschaftsmacher.com: Hallo, wir sprechen mit Thomas Kellinger, dem kreativen Kopf hinter Thomas K. Tattoo Art. Er zählt zu den besten Realistik-Artists Europas und hat mit seinem einzigartigen Hexagon-Realistik-Stil eine Tattoo-Technik geschaffen, die es weltweit wirklich nur ein einziges Mal gibt. Herr Kellinger, schön, dass Sie bei uns sind.
Thomas Kellinger: Danke, dass ich da sein darf. Grüß dich.
Wirtschaftsmacher.com: Ihre Arbeiten sorgen ja mittlerweile international für Aufsehen. Nicht nur wegen der beeindruckenden Details in Ihren Tattoos, sondern auch wegen dieses unverwechselbaren Stils, den Sie da an den Tag legen. Gleichzeitig bringen Sie ein neues Kapitel quasi voran mit Ihrem eigenen Likör.
Thomas Kellinger: Genauso ist es richtig.
Wirtschaftsmacher.com: Ich glaube, da haben wir heute einige spannende Themen.
Thomas Kellinger: Ja, das bestimmt.
Wirtschaftsmacher.com: Vielleicht würden wir mal damit starten, wie denn so Ihr Werdegang war. Ich glaube, Sie haben ja eine Ausbildung als Mechaniker gemacht und sind jetzt Tätowierer.
Thomas Kellinger: Genau richtig. Ich war zuerst Mechaniker, da habe ich meine Lehre gemacht. Das war zwar meine Leidenschaft, aber irgendwann war es einfach nicht mehr, was ich haben wollte. Man war nur eine Nummer. Man war einfach nur da zum Hackeln, hat nichts Besonderes leisten können oder sollen eigentlich, sondern nur hinein. Dann war ich in der Landmaschinenproduktion. Das war eigentlich ganz gemütlich und schön, das waren gemütliche Leute. Aber es war nicht kreativ genug, und ich wollte dann Tätowierer werden, was dann ein sehr stolpriger Weg war. Aber alles, was stolprig ist, schätzt man ein bisschen mehr.
Wirtschaftsmacher.com: Definitiv. Ich glaube, man hört ja auch raus, aus Oberösterreich.
Thomas Kellinger: Genau richtig, Linz.
Wirtschaftsmacher.com: Aus Linz. Das heißt, Ausbildung auch schon in Linz gemacht?
Thomas Kellinger: Zum Tätowieren, oder?
Wirtschaftsmacher.com: Sowohl als auch?
Thomas Kellinger: Es war alles in Linz, genau. Aber eine Ausbildung habe ich direkt keine gemacht, ich habe mir alles selber beigebracht.
Wirtschaftsmacher.com: Also auch das Tätowieren selber beigebracht?
Thomas Kellinger: Alles selber beigebracht, genau.
Wirtschaftsmacher.com: Und gibt es da irgendwelche Vorbilder vielleicht, an die man sich erinnert?
Thomas Kellinger: Vorbilder gibt es sehr viele, sehr, sehr viele. Von Deutschland zum Beispiel Randy Engelhard, dann Boris aus Ungarn, der ist in Wien, und noch ganz, ganz viele andere Leute, die mittlerweile Freunde von mir sind, worauf ich sehr stolz bin. Das war immer mein Ziel, dass ich irgendwann einmal bei dieser Liga mitspielen kann. Und wenn man dann genau mit solchen Leuten auf der Bühne steht, ist das einfach etwas, worauf ich stolz bin.
Wirtschaftsmacher.com: Und hat es auch persönliche Auslöser vielleicht gegeben, wo Sie dann vielleicht gesagt haben: Okay, jetzt verlasse ich den Beruf, den ich vielleicht erlernt habe?
Thomas Kellinger: Nein, persönliche Auslöser nicht. Ich wollte einfach etwas Kreatives machen. Für die Schule war ich nie so geeignet, sagen wir mal so. Studieren war jetzt nicht mein Ding für ein Kunststudium, und Tätowieren ist etwas, das kann man auch ohne Studium machen. Das geht ein wenig leichter. Und mein richtiger Antrieb war aber erst dann der Tod von meinem Vater eigentlich. Ich war dann mitten in der Ausbildung. Aber als der gestorben ist, hat sich mein Leben schon sehr rasant geändert. Ich habe ein sehr durchlebtes Leben gehabt, viel Party, viel in Lokalen herumgetrieben. Und da hat sich einfach von einem Tag auf den anderen alles verändert.
Wirtschaftsmacher.com: Und was hat dann der Tod Ihres Vaters auch in Ihnen ausgelöst?
Thomas Kellinger: Ja, einfach eine Zielstrebigkeit, fokussiert zu sein. Natürlich auch meine Frau, die hat da mitgewirkt. Aber das hat auch irgendwie ausgelöst, dass ich etwas beweisen wollte. Dass ich sagen wollte, ich bin nicht nur so der Lebemensch, der nicht überlegt, was morgen passiert und was ich mir aufbauen will, sondern einfach nur im Jetzt und Hier lebe. Und ich bin erst der Mensch geworden, der ich jetzt bin eigentlich. Zielstrebig und immer fokussiert, dass ich immer besser werde.
Wirtschaftsmacher.com: Und war das auch ein Startschuss oder ein Start in die Selbstständigkeit, das dann auch zu wagen?
Thomas Kellinger: Ja, ich war mittendrin, dass ich mich selbstständig mache. Aber wo ich jetzt sitze, das habe ich sicher nur durch den Tod von meinem Vater erreicht. Also das ist einfach so. Ich weiß gar nicht, ob ich so weit gekommen wäre, wenn er noch leben würde.
Wirtschaftsmacher.com: Und wie lange ist das jetzt her?
Thomas Kellinger: Das ist elf Jahre her, und seit elf Jahren bin ich auch schon Tätowierer. Das war genau in der Zeit, wo ich das begonnen habe.
Wirtschaftsmacher.com: Okay, und seit elf Jahren verfolgen Sie da auch schon diesen Hexagon-Stil, für den Sie ja auch wirklich mittlerweile bekannt sind? Oder hat sich das entwickelt?
Thomas Kellinger: Das hat sich entwickelt. Ich war ja eigentlich nur auf Realistik spezialisiert, also Porträts und alles, was realistisch ausschaut, wie Fotos. Aber ich wollte etwas haben, ein Wiedererkennungswert war eigentlich das erste Ziel. Und dann hat sich auf einmal Hexagon ergeben, dass ich alles zersetze wie ein Puzzleteil in Hexagon-Form. Und so ist dann mein Stil eigentlich entstanden. Das war ein bisschen ein Werdegang. In den letzten fünf, sechs Jahren hat das begonnen. Und ich habe dann eigentlich einen Stil entwickelt, den bis jetzt keiner gemacht hat, worauf ich recht stolz bin, weil ich dadurch einfach Alleinstellungsmerkmale habe.
Wirtschaftsmacher.com: Und womit erklären Sie, dass gerade Ihre Fans ja auch oft beschreiben, dass die Tattoos besser aussehen als die Fotos?
Thomas Kellinger: Vielleicht bin ich ein schlechter Fotograf; wenn ich fotografiere, kannst du es gerne sagen. Aber keine Ahnung, weil ich einfach mein Herz in die Arbeit hineinstecke und ich einfach schaue, dass ich alles perfektioniere. Oft sind ja auch die Fotos, die Vorlage, nicht besonders gut. Und dann schaue ich, dass ich noch aufarbeite, ein bisschen Schattierungen ändere, Kontraste verändere, mehr Details einarbeite und einfach das Bestmöglichste heraushole, was die Vorlage hergibt.
Wirtschaftsmacher.com: Und Sie haben ja auch die letzten Jahre bei einigen Wettbewerben und Meisterschaften und Co. mitgemacht. Da haben Sie auch einige Platzierungen erhalten.
Thomas Kellinger: Ja, genau. Also es gibt immer bei Conventions so Contests, wo man mitmachen kann, mit verschiedenen Kategorien. Ist das Realistik oder traditionell oder je nachdem, was man macht. Und da war ich dann schon stolz: Vor fünf Jahren war das ungefähr, als ich das erste Mal beim Contest war, wo alle meine Vorbilder oben waren, und ich habe zwar nichts gewonnen, aber ich war unter den besten fünf damals. Und da habe ich gewusst, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Jetzt bin ich mit all meinen Idolen auf der Bühne und trete gegen sie an und bin unter den besten fünf. Und ich war nicht einmal traurig, dass ich verliere, sondern einfach stolz darauf, weil ich gewusst habe, dass ich genau gegen die Leute antrete, zu denen ich immer aufgeschaut habe.
Wirtschaftsmacher.com: Und ohne jetzt zu prahlen, aber welche Erfolge können Sie mittlerweile schon vorweisen?
Thomas Kellinger: Also es sind jetzt, glaube ich, 25 Preise in den letzten paar Jahren. Und ich habe da eben auch in Zwickau bei Randy Engelhard einen Preis gewonnen: Best Large. Und ja, da sind 80 Tätowierer, aber 50 davon sind die besten der Welt. Und wenn man da gewinnt, dann ist das schon etwas Schönes, dass man das erreicht hat, auf jeden Fall. Und auch gewisse andere Messen eben, Dortmund, 600 Tätowierer, zweiten Platz gemacht. Das ist schon etwas, worauf man stolz sein kann, glaube ich.
Wirtschaftsmacher.com: Und ist das auch etwas, das Ihre Kunden wertschätzen?
Thomas Kellinger: Bestimmt. Also ich habe viele Kunden auch aus dem Ausland immer gehabt: Deutschland, Schweiz, England, es war mal wer da. Und die kommen natürlich nur, weil ich auf den Conventions unterwegs bin und dort halt als Thomas K. auftrete und meine Werbung mache, meine Arbeiten zeige. Und dadurch kommen die Leute auch von weit her angereist.
Wirtschaftsmacher.com: Das heißt, was würden Sie sagen, was sind so Ihre Werte, die Sie in Ihrer Arbeit tagtäglich Ihren Kunden gegenüber liefern? Was sich dann so herumspricht, dass, sage ich jetzt einmal, Ihr aktueller Erfolg zu erklären ist?
Thomas Kellinger: Also es ist oft so, dass die Leute eine Idee haben, aber gar kein Wissen zum Umsetzen. Und ich probiere, ich möchte einmal ein wenig wissen, was er damit aussagen will oder so zum Beispiel. Und probiere, dass ich es so umsetze. Das wird so oft ein ganz anderes Bild, als der Kunde vorgehabt hat, aber es sagt genau das aus, was er damit sagen will. Und da freuen sie sich einfach, dass sie ein individuelles Tattoo, für die Person selbst angepasst, bekommen, was nicht bei jedem selbstverständlich ist, leider heutzutage. Weil viele Leute sind oft nur wie eine Druckermaschine und nehmen ein Foto aus Pinterest, klatschen es drauf und tätowieren. Und das ist bei mir halt einfach anders.
Wirtschaftsmacher.com: Und gibt es da auch prägende Ereignisse, die Ihnen jetzt während dieser internationalen Contests in Erinnerung geblieben sind?
Thomas Kellinger: Ja, eben prägende Momente, wo eben die erste Erfahrung unter den Top 5 von richtig, richtig, richtig guten Weltspitzen-Tätowierern. Das war wahrscheinlich der prägendste Moment, wo ich gesagt habe, dass ich jetzt auf dem richtigen Kurs bin.
Wirtschaftsmacher.com: Verstehe. Und jetzt, vor ein paar Monaten, haben Sie mit einem neuen Projekt gestartet.
Thomas Kellinger: Genau, richtig.
Wirtschaftsmacher.com: Wollen Sie uns darüber ein bisschen …
Thomas Kellinger: Ja, also Tätowieren ist meine Leidenschaft, Kunst ist meine Leidenschaft, aber die Luft ist nicht draußen, aber es hat sich viel verändert; die Wirtschaftslage hat sich verändert. Und die Szene, früher war es eine Szene, jetzt ist es Industrie. Diese Loyalität, die es früher gegeben hat, die ist ein bisschen verschwunden, meiner Meinung nach, weil es geht nur noch um Fame, wie viele Follower hat wer; es geht nicht mehr um die Kunst, nicht mehr um die Art, und ich habe einfach Bock, etwas Neues zu starten, und ich starte jetzt einen Likör. Ich kann noch nicht so viel darüber erzählen, aber es wird auf jeden Fall sehr spannend und ein bisschen provokativ.
Wirtschaftsmacher.com: Ein Likör? Und welche Rolle soll dann dieser Likör bei Ihnen spielen? Irgendein zweites Standbein?
Thomas Kellinger: Nein, es wird auf jeden Fall ein zweites Standbein werden. Einfach aus Sicherheitsgründen eventuell, weil die Wirtschaft beim Tätowieren einfach zurückgeht, das merkt man. Ich habe zwar immer mein Geschäft, bin immer ausgebucht, aber man weiß nicht, was in fünf oder sieben Jahren ist. Und darum ist jetzt der richtige Moment, um das Neue zu starten. Ein zweites Standbein, wo ich vielleicht mein Haupteinkommen sogar davon bekomme und Tätowieren mehr ein Hobby ist, und ich einfach mehr der Leidenschaft und der Kunst nachgehen kann und nicht dem nachlaufen muss, dass ich davon mein Leben erhalten kann. Und vielleicht auch familiär eine Familie miteinbringen, dass die Frau mitarbeitet.
Wirtschaftsmacher.com: Sehr spannend. Für alle Zuseher, die jetzt vielleicht Lust auf mehr bekommen haben, würde ich Ihnen jetzt sogar das Schlusswort überlassen.
Thomas Kellinger: Also, wenn ihr Interesse an Tattoos von mir habt und sehen wollt, was ich so mache, dann folgt mir bitte einfach auf Instagram. Und wenn ihr wissen wollt, was mit dem Likör passiert, dann wird alles bekannt gegeben. Ich hoffe, dass es in den nächsten paar Monaten mehr darüber zu sagen gibt. Danke.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Interview.
Thomas Kellinger: Dankeschön.
Weitere Informationen zu Thomas Kellingers finden sich unter www.tk-tattoo.at.
Thomas K. Tattoo Galerie Thomas Kellinger Angerholzerweg 38, A-4020 Linz +43 699 18125414 termin@tk-tattoo.at www.tk-tattoo.aterie