Künstliche Intelligenz und Social Media Recruiting versprechen schnellere und passgenauere Besetzungen. Doch wie wirksam sind diese Ansätze tatsächlich im Alltag? Im Gespräch mit Konstantin Rebstock, Gründer der Düsseldorfer Personalberatung wefindtalents, geht es um realistische Möglichkeiten, klare Grenzen und die tatsächliche Rolle von KI im Recruiting.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Rebstock, wie würden Sie wefindtalents kurz beschreiben?
Konstantin Rebstock: wefindtalents ist eine spezialisierte Personalberatung mit Schwerpunkt auf Marketing- und Vertriebspositionen. Wir arbeiten vor allem für Unternehmen aus Medien, Telekommunikation, Digitalwirtschaft, Fashion, Beauty und Handel. Unsere Aufgabe ist es, geeignete Fach- und Führungskräfte zu identifizieren und den gesamten Auswahlprozess für unsere Mandanten strukturiert zu begleiten. Wir verstehen uns dabei als operative Unterstützung für HR-Abteilungen, die im Tagesgeschäft oft wenig Kapazitäten für aufwändige Recruiting-Prozesse haben.
Wirtschaftsmacher.com: Wodurch unterscheidet sich Ihr Ansatz von klassischen Modellen?
Konstantin Rebstock: Wir arbeiten mit klaren Entscheidungs- und Prozessstrukturen. Dazu gehören sorgfältige Vorqualifizierungen, transparente Dokumentationen und realistische Einschätzungen zur Passung der Kandidaten. Ziel ist es, den Zufallsfaktor im Auswahlprozess zu reduzieren. Digitale Werkzeuge wie dynamische Datenbanken oder Matching-Tools nutzen wir als Hilfsmittel, sie ersetzen jedoch weder gründliche Recherche, Erfahrung noch die fachliche Bewertung. Entscheidend bleibt, ob eine Person sowohl fachlich als auch kulturell zum Unternehmen und zur jeweiligen Führungskraft passt.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Schwierigkeiten erleben Ihre Kunden am häufigsten?
Konstantin Rebstock: Der Fachkräftemangel ist in vielen Branchen deutlich spürbar. Die Unternehmen wissen oft sehr genau, wen sie suchen, erreichen diese Personen aber nicht mehr über klassische Kanäle. Stellenanzeigen allein funktionieren in vielen Bereichen kaum noch. Hinzu kommt, dass interne HR-Teams häufig ausgelastet sind und keine Ressourcen für langwierige Direktansprachen oder strukturiertes Active Sourcing haben. Genau dort unterstützen wir.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Bedeutung haben moderne Methoden wie KI oder Social Media Recruiting in Ihrer Arbeit?
Konstantin Rebstock: Diese Methoden sind hilfreich, wenn sie sinnvoll umgesetzt und in den Prozess eingebettet werden. KI kann große Datenmengen schneller analysieren oder Hinweise auf potenzielle Kandidaten liefern. Social Media Recruiting ermöglicht es zudem, Menschen zu erreichen, die nicht aktiv auf Jobsuche sind. Studien von XING, forsa und Stepstone aus dem Jahr 2022 zeigen, dass dies auf rund 70 Prozent der Befragten zutrifft, während lediglich 15 Prozent aktiv nach einer neuen Stelle suchen. KI ersetzt jedoch keine professionelle Beurteilung. Gerade bei Marketing- und Vertriebsrollen spielen Persönlichkeitsmerkmale, Kommunikationsstärke und kulturelle Passung eine zentrale Rolle. Das lässt sich algorithmisch nur begrenzt abbilden, da Persönlichkeit und Berufserfahrung nicht eindeutig standardisiert werden können. Entscheidend bleibt daher das handwerkliche Können im Recruiting: die Fähigkeit, sowohl Inhalte aus Unterlagen als auch Aussagen der Kandidaten im Gespräch im jeweiligen Kontext richtig einzuordnen. Technologie ermöglicht Geschwindigkeit und Reichweite, die finale Entscheidung bleibt jedoch ein menschlicher Prozess.
Wirtschaftsmacher.com: Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit wefindtalents?
Konstantin Rebstock: Uns geht es darum, Unternehmen dauerhaft verlässliche Strukturen und klare Kompetenz im Recruiting zu bieten. Die Anforderungen im Arbeitsmarkt verändern sich kontinuierlich. Deshalb entwickeln wir unsere Methoden ständig weiter und prüfen regelmäßig, welche digitalen Werkzeuge tatsächlich einen Mehrwert im realen Prozess liefern. Unser Ziel ist es, Unternehmen langfristig zu entlasten und offene Positionen zuverlässig zu besetzen – ohne unnötige Komplexität.
Wirtschaftsmacher.com: Was können Unternehmen konkret aus Ihrer Erfahrung mitnehmen?
Konstantin Rebstock: Viele Unternehmen profitieren davon, Recruiting als strukturierten Prozess zu verstehen und nicht als spontane Einzelaufgabe. Konsistente Schritte, klare Erwartungsabgleiche und transparente Kommunikation sind dabei häufig entscheidend. Externe Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn interne Ressourcen begrenzt sind oder spezielle Marktkenntnisse gefragt sind. Entscheidend ist dabei nicht immer die eingesetzte Technologie als die Qualität der einzelnen Prozessschritte und deren konsequente Umsetzung.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen gibt es unter www.wefindtalents.de.
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