Tiere mit Behinderung werden oft übersehen. Viele landen nach Unfällen, Krankheiten oder schweren Verletzungen in Tierheimen, ohne Aussicht auf ein dauerhaftes Zuhause. Genau hier setzt das Schutzengeldorf der behinderten Katzen in der Steiermark an. Gründerin Renate Riedel kümmert sich gemeinsam mit ihrem Team um Katzen mit Handicap, die intensive Pflege, medizinische Betreuung und vor allem Geduld brauchen. Im Interview mit Wirtschaftsmacher.com spricht sie über den Alltag mit beeinträchtigten Katzen, emotionale Herausforderungen im Tierschutz und darüber, warum Menschlichkeit oft bei den kleinsten Lebewesen beginnt.
Wirtschaftsmacher.com: Frau Riedel, wie entstand die Idee, mit dem Schutzengeldorf ein Zuhause für behinderte Katzen zu schaffen?
Renate Riedel: Angefangen hat alles mit einzelnen Katzen, die dringend Hilfe gebraucht haben. Manche waren gelähmt, andere blind oder schwer verletzt. Viele dieser Tiere hätten sonst keine Chance mehr gehabt, weil die Pflege sehr aufwendig ist oder hohe Tierarztkosten entstehen. Ich konnte einfach nicht wegsehen. Mit der Zeit wurden aus einzelnen Notfällen immer mehr Katzen mit Handicap, die dauerhaft Betreuung brauchten. Daraus ist schließlich das Schutzengeldorf entstanden.
Wirtschaftsmacher.com: Wie sieht der Alltag mit Handicap-Katzen im Schutzengeldorf aus?
Renate Riedel: Sehr intensiv und oft emotional. Manche Tiere müssen mehrmals täglich versorgt werden, einige brauchen Medikamente oder spezielle Nahrung. Es gibt Katzen, die nach schweren Verletzungen lange brauchen, um wieder Vertrauen zu Menschen aufzubauen. Manche sitzen anfangs nur still in einer Ecke und ziehen sich komplett zurück. Wenn so ein Tier nach Wochen plötzlich zum ersten Mal Nähe sucht oder wieder spielt, sind das Momente, die man nie vergisst.
Wirtschaftsmacher.com: Warum haben Katzen mit Behinderung im Tierschutz oft schlechtere Chancen?
Renate Riedel: Viele Menschen glauben, dass ein Tier mit Handicap automatisch leidet. Das stimmt aber nicht. Natürlich brauchen diese Katzen mehr Aufmerksamkeit und Pflege, aber sie können genauso glücklich sein wie andere Tiere. Viele genießen Streicheleinheiten, spielen oder suchen bewusst die Nähe von Menschen. Oft fehlt einfach das Wissen darüber, wie lebensfroh beeinträchtigte Katzen sein können. Deshalb ist Aufklärung im modernen Tierschutz so wichtig.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Herausforderungen erlebt das Schutzengeldorf im Tierschutz derzeit besonders stark?
Renate Riedel: Die laufenden Kosten steigen ständig. Tierarztbesuche, Medikamente, Spezialfutter oder Energie werden immer teurer. Gleichzeitig kommen viele Tiere in schwierigen Situationen zu uns. Manche wurden ausgesetzt, andere nach Krankheiten abgegeben. Wir versuchen trotzdem, jedem Tier die Betreuung zu geben, die es braucht. Ohne Unterstützung und Spenden wäre das aber kaum möglich.
Wirtschaftsmacher.com: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Handicap-Katzen und modernem Tierschutz?
Renate Riedel: Ich wünsche mir, dass Menschen genauer hinschauen und Tiere nicht nach Perfektion bewerten. Gerade Katzen mit Behinderung zeigen oft einen unglaublichen Lebenswillen. Sie freuen sich über Wärme, Sicherheit und Zuwendung wie jedes andere Lebewesen auch. Wenn Menschen lernen, verantwortungsvoller mit Tieren umzugehen, verändert das vieles – nicht nur für Tiere, sondern auch gesellschaftlich.
Wer mehr über das Schutzengeldorf der behinderten Katzen erfahren oder den Tierschutzverein unterstützen möchte, findet unter www.schutzengeldorf.at weitere Informationen und Einblicke in die tägliche Arbeit mit Handicap-Katzen.
Gerade medizinische Versorgung, Spezialfutter und laufende Pflege verursachen hohe Kosten. Jede Spende hilft dabei, beeinträchtigten Katzen weiterhin Schutz, Versorgung und ein sicheres Zuhause zu ermöglichen.
Impressum:
Schutzengeldorf der behinderten Katzen
Obfrau Renate Riedel
Weberweg 4
8401 Kalsdorf bei Graz
Tel: +43 (0) 676 392 8589
E-Mail: renate@schutzengeldorf.at
Homepage: www.schutzengeldorf.at