Der Weg vom sicheren Angestelltenverhältnis hin zur bewussten Selbstständigkeit ist für viele ein großer Schritt – für Martin Aumair war es eine konsequente Entscheidung. Im Interview spricht der Unternehmer, Speaker und Mentor über Verantwortung, persönliche Wendepunkte und darüber, warum Sicherheit nicht immer der beste Ratgeber ist. Das Gespräch gibt Einblicke in seinen Aufstieg vom Fließbandarbeiter zur Führungskraft und schließlich zum Wegbegleiter für Menschen, die sich ein selbstbestimmtes Arbeiten aufbauen wollen.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Aumair, wie begann Ihre berufliche Laufbahn?
Martin Aumair: Ich wurde am 14. November 1980 adoptiert und habe früh gelernt, dass Herkunft keine Grenze sein muss. Meine Adoptiveltern haben mir Disziplin, Eigenverantwortung und Durchhaltevermögen vorgelebt. Nach meiner Lehre als Kfz-Techniker startete ich über eine Leasingfirma bei BRP Rotax am Fließband. Für mich war aber klar: Das ist ein Anfang, nicht das Ziel. Schritt für Schritt entwickelte ich mich weiter – vom Produktionsmitarbeiter zum ISO-Auditor, später Lean Manager und schließlich Fertigungsleiter mit Verantwortung für 120 Mitarbeiter im 4-Schicht-Betrieb. Diese Zeit hat mir gezeigt, wie Produktion wirklich funktioniert – auf menschlicher wie auf struktureller Ebene.
Wirtschaftsmacher.com: Ihr Weg war von Herausforderungen geprägt. Welche Erfahrungen haben Sie besonders geformt?
Martin Aumair: Es gab einige einschneidende Momente. 20 Jahre Epilepsie, eine Hautkrebserkrankung und ein schwerer Verkehrsunfall mit 20 Jahren, bei dem mein rechtes Knie massiv beschädigt wurde – das alles zwingt einen, Verantwortung zu übernehmen. Der Weg zurück zur vollen Belastbarkeit dauerte fast fünf Jahre. Disziplin und mentale Stärke waren entscheidend. Auch eine Phase, in der Alkohol kein gesunder Bestandteil meines Lebens mehr war, gehört zu meiner Geschichte. Die Entscheidung, damit aufzuhören, habe ich für mich und meinen Sohn getroffen. Rückblickend war genau dieser Prozess eine zentrale Grundlage für meinen späteren Erfolg. Selbstführung beginnt immer im Privaten.
Wirtschaftsmacher.com: Sie haben zudem einen verschuldeten Bauernhof übernommen. Wie kam es dazu?
Martin Aumair: 2008 übernahm ich den Hof meiner Stiefeltern mit rund einer halben Million Euro Schulden. Das war keine romantische Entscheidung, sondern eine bewusste Übernahme von Verantwortung. Zehn Jahre lang habe ich konsequent gewirtschaftet, Prioritäten klar gesetzt und auf vieles verzichtet. Heute ist der Hof schuldenfrei. Diese Zeit hat mich langfristiges Denken gelehrt. Man lernt, dass nicht der Markt der größte Gegner ist – sondern die eigene Bequemlichkeit.
Wirtschaftsmacher.com: Wann kam der unternehmerische Wendepunkt?
Martin Aumair: 2019 war ein Schlüsseljahr. Die Schwangerschaft meiner damaligen Frau war nur durch künstliche Befruchtung möglich. In dieser Phase suchte ich intensiv nach Lösungen für gesundheitliche Herausforderungen – aus Verantwortung, nicht aus Geschäftssinn. Als ich konkrete Veränderungen erkannte, wusste ich: Das ist mehr als nur ein Produkt. Im Februar 2020 startete ich neben meinem 50-Stunden-Job unternehmerisch. Kurz darauf kam der Lockdown. Während viele pausierten, bauten wir auf. 2021 traf ich die Entscheidung zur vollständigen Selbstständigkeit. Für mich war das kein Risiko, sondern der nächste logische Schritt.
Wirtschaftsmacher.com: Was unterscheidet Sie heute als Leader?
Martin Aumair: Ich spreche Klartext und arbeite gern mit Menschen. Für mich entsteht Erfolg nicht durch Druck, sondern durch Entwicklung. Ich verbinde Struktur mit Empathie. Ein zentraler Bestandteil ist mein „Power-Team“. Ich sehe mich nicht als Einzelkämpfer, sondern als Impulsgeber einer gemeinsamen Vision. Heute spreche ich bei Business-Akademien vor bis zu 600 Menschen live und rund 1.000 online. Doch Reichweite ist für mich kein Selbstzweck – entscheidend ist Wirkung.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Rolle spielt Sichtbarkeit in Ihrem Business?
Martin Aumair: Meine Präsenz findet vor allem über soziale Medien wie Facebook und Instagram statt. Ich habe bewusst keine klassische Homepage priorisiert, weil mein Geschäft stark über persönliche Empfehlungen und direkte Beziehungen gewachsen ist. Menschen folgen keiner perfekten Website – sie folgen Klarheit, Haltung und Ergebnissen.
Wirtschaftsmacher.com: Abschließend gefragt: Was bedeutet unternehmerische Freiheit für Sie?
Martin Aumair: Freiheit bedeutet für mich nicht, weniger zu arbeiten. Freiheit bedeutet, selbst entscheiden zu können – mit wem ich arbeite, welche Werte ich lebe und welche Richtung ich einschlage. Sicherheit kann angenehm sein, aber sie kann auch begrenzen. Verantwortung erweitert den Handlungsspielraum. Wer wachsen will, muss bereit sein, Entscheidungen zu treffen. Vom Fließband zur Freiheitsvision war kein Zufall, sondern das Ergebnis vieler klarer Schritte.
Mehr Informationen zu Martin Aumair und seinen Impulsen für selbstbestimmtes Arbeiten finden Interessierte unter www.martinsprinzip-gesundheit.at