Reinhard Gaida: Neue Beziehungskultur, Sexualität und bewusste Beziehungen

Bewusste Beziehungen, Intimität und eine offene Auseinandersetzung mit Sexualität gewinnen in der modernen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Der österreichische Experte Reinhard Gaida, MSc, schafft mit Formaten wie dem Schwelle Festival und dem Cocoon Retreat Räume, in denen Menschen neue Wege in Beziehung, persönlicher Entwicklung und gelebter Konsenskultur entdecken können.
Wirtschaftsmacher.com: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Wirtschaftsmacher TV. Wir sprechen mit Reinhard Gaida, MSc, Gründer von Schwelle Events und international tätiger Experte für bewusste Beziehungen, Sexualität, Breathwork und persönliche Transformation. Mit Formaten wie dem Schwelle Festival, dem Retreat Cocoon und intensiven Breathwork- und Embodiment-Angeboten schafft er Räume, in denen Menschen neue Wege in Liebe, Intimität und Beziehungskultur gehen können, jenseits starrer Normen und voll Lebensfreude. Mittlerweile verbringt er viel Zeit in New York, von wo aus er zukünftig Impulse in die ganze Welt senden wird, während regelmäßig Events in Europa, vor allem in Wien, gestaltet werden. Herr Gaida, schön, dass Sie bei uns sind.
Reinhard Gaida: Freue mich auch, da zu sein. Dankeschön.
Wirtschaftsmacher.com: Ihre Arbeit sorgt ja für sehr viel Aufmerksamkeit, weil Sie Menschen dabei unterstützen, ihre Beziehungen, aber vor allem eben auch Sexualität nicht nur bewusster, sondern auch wirklich freier und erfüllter zu leben. Welche Personen sprechen Sie da ganz konkret an mit Ihrem Tun?
Reinhard Gaida: Ganz konkret möchte ich Personen ansprechen, die sich persönlich weiterentwickeln wollen, die in ihrer Sexualität neue Wege gehen wollen, die eventuell ihre Beziehungen anders gestalten wollen und einfach im Großen und Ganzen eine Verbesserung in der Beziehung und in der Sexualität haben wollen. Ja. Der Kern meiner Arbeit.
Wirtschaftsmacher.com: Vielleicht dazu kurz Ihr persönlicher Werdegang. Wie sind Sie eigentlich von klassischen Therapiesettings zu Festivals, Retreats und eben auch Breathwork-Formaten gekommen? Wie hat sich das entwickelt?
Reinhard Gaida: Als klassischer Therapeut habe ich gemerkt, im Zweier-Setting, jedes Mal, wenn es um das Thema Beziehung oder Sexualität gegangen ist, was die Kernthemen sind, habe ich viele Menschen gesehen. Das ist nicht weitergegangen. Das war einfach, da bist du immer gesteckt. Und dann habe ich begonnen, Räume zu schaffen, in denen die Interaktion zwischen Personen im Mittelpunkt steht, auf bewusste Art und Weise. Und das hat dazu geführt, dass mehr Weiterentwicklung und mehr persönliche Themen wieder ins Fließen gekommen sind. Und von dort aus – das war dann ein Schritt nach dem anderen. Zuerst war es ein Workshopspace und dann war es ein Vereinslokal und dann ist es ein Eventlokal geworden und dann ist es eine Konferenz geworden und dann war der Weg zum Festival und zum Retreat nicht mehr weit. Es war ein Schritt, der auf den anderen gefolgt ist.
Wirtschaftsmacher.com: Gab es da dann einen besonderen Moment, in dem Ihnen einfach klar wurde: Ich gründe jetzt Schwelle?
Reinhard Gaida: Ja. Da gab es mehrere. Ich habe einfach das Bedürfnis gesehen bei den Menschen. Ich habe gesehen, dass das Bedürfnis da ist und dass es Räume braucht, in denen Sexualität konsensual gelebt werden kann. Also immer im beiderseitigen Einverständnis. Und in meiner eigenen Erfahrung habe ich wenig davon gefunden. Da gibt es entweder Clubs oder Diskotheken. Da kann man hingehen, die Leute konsumieren Alkohol, konsumieren teilweise oder oft Drogen, Substanzen. Und dann geht es immer um Sex, aber niemand sagt es. Es geht immer um Flirten und um „Find ich wen“. Es geht immer um dieses Balzverhalten, kann man das nennen. Aber keiner spricht es an. Das war für mich persönlich keine gute Erfahrung. Und dann habe ich mir auf der anderen Seite auch Swingerclubs angeschaut, wo es halt wirklich darum geht: Du gehst hin und es geht um Sexualität, ganz explizit. Das war für mich auch nicht so wirklich im Consent-Bereich, weil es erstens erwartet wird, dass man Sex hat und man es nicht wirklich frei entscheiden kann und weil auch die Einladungspolitik immer so ist: Männer zahlen mehr als Frauen. Das schafft automatisch eine Schieflage und es wird oft erwartet, weil ich mehr zahle: Aber ja, ich kann was kaufen. Und in den Orten, die ich gestalte, ist für mich immer wichtig, dass alle gleich behandelt werden. Also da gibt es niemanden, der mehr zahlt. Alle zahlen gleich viel, egal ob Männer, Frauen oder Paare. Damit das alles auf einer konsensualen Ebene ist, wo sich alle gleich fühlen und die gleichen Rechte haben. Und dann habe ich die Schwelle gegründet, weil ich gesehen habe: Die Clubs taugen mir nicht. Swingerclubs sind auch nicht so wirklich das Setting, das funktioniert. Und die Räume, die sexpositiven Räume wie die Schwelle, das Festival oder Cocoon – dort ist es eben so: Man kann das machen, was man will, immer die Personen auch um Consent zu fragen, aber man muss nicht. Es wird nichts erwartet. Also viele Leute kommen aufs Schwelle-Festival oder zum Cocoon-Retreat nicht, weil sie einen Sexualpartner finden wollen, sondern weil sie vielleicht Urlaub machen wollen. Oder viele Leute kommen, weil sie einen Kaffee trinken wollen. Es geht nicht immer nur darum, dass man Sex hat. Manchmal geht es auch einfach darum, nette Menschen kennenzulernen, die Content geben können. Und das ist das Besondere an den Events. Man kann alles machen, aber man muss nicht.
Wirtschaftsmacher.com: Jetzt ist ja auch Sexualität ein Wort, das sehr viel Interpretationsspielraum lässt. Was bedeutet für Sie persönlich überhaupt Sexualität?
Reinhard Gaida: Was in der Regel darunter verstanden wird, ist Penetration. Das ist im Schwelle-Umfeld nicht so. Und für mich persönlich ist es Handlung zwischen zwei Personen im gegenseitigen Einvernehmen, also beide wollen das, beide sind erwachsen und es geht um gesunde Handlungen, die Freude machen, die Spaß machen und die Intimität, Nähe und eventuell auch eine gemeinsame Entwicklung beinhalten. Und da kann man alles machen. Also man kann im Bereich Sexualität alles machen, was man will. Es geht nicht um Blümchensex. Das kann im Bereich Tantra sein, das kann im Bereich BDSM sein. Man kann sich auch mit mehreren Personen treffen. Manche Leute haben verschiedenste Fetische. Die Erfahrungen sind ein sehr breites Feld.
Wirtschaftsmacher.com: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Thema Sexualität gerade auch in Ihren Events und in Ihren Treffen ein sehr großer und wichtiger Bestandteil ist, sei es zwischenmenschlich oder eben auf der romantischen Ebene. Inwieweit wird auch das Thema bewusste Beziehung im Alltag thematisiert?
Reinhard Gaida: Da kann ich mit einer Gegenfrage antworten. Was heißt Beziehung überhaupt? Also wann bin ich in Beziehung? Viele Menschen, die Cocoon, also den Retreat besuchen oder das Schwelle-Festival besuchen, sind in Mehrfachbeziehungen. Manche sind in monogamen Beziehungen, manche sind gar nicht in Beziehungen. Und ich hinterfrage das immer. Ich habe einmal ein Interview gehabt mit einer Journalistin von der Wienerin, wo es um das Thema Polyamorie gegangen ist, wie die Menschen zu einem Event kommen. Ob die alleine kommen, ob die zu zweit kommen. Wenn Menschen mehrfach Beziehungen führen, dann kommen sie manchmal zu dritt, manchmal kommen sie zu viert. Manchmal kommen sie alleine, weil wenn ich polyamor lebe oder polyamor bin, dann heißt das ja nicht, dass ich Beziehung führen muss. Das heißt ja nur, was ich gerne in meinem Leben hätte. Und dann habe ich es sehr lange erklärt und die Abschlussfrage dann war: Wie viele Pärchen kommen denn zum Event? Deswegen ist diese Frage nach den Beziehungen – was heißt Beziehung? Paarbeziehung? In meiner Welt bin ich mit jemandem in Beziehung, sobald wir ein gemeinsames Ziel haben. Das kann sein, zusammen alt werden. Das kann sein, zusammen auf Urlaub fahren. Das kann sein, zusammen Sex haben. Was auch immer. Und das kann man definieren.
Wirtschaftsmacher.com: Es gibt ja einige alternative Beziehungsmodelle, unter anderem eben auch die in letzter Zeit immer wieder thematisierte offene Beziehung. Inwieweit kann man da vielleicht aufkommende Eifersucht eher konstruktiv nutzen in so einer Beziehung, anstatt vielleicht daran wirklich zu zerbrechen?
Reinhard Gaida: Eifersucht ist ein sehr diffiziles Thema. Also gerade bei offenen Beziehungen. Ich bin der Meinung, was ganz wichtig ist überhaupt in Beziehungen: Wir wollen das Gleiche. Wenn zwei Menschen eine Beziehung führen, finde ich, es ist ganz wichtig, dass der Beziehungsvertrag übereinstimmt und dass man wirklich das Gleiche will. Wenn eine Person eine Beziehung öffnen will und die andere Person sagt, das ist vielleicht nichts für mich, das funktioniert nicht. Es gibt immer Überwerfungen oder Grenzüberschreitungen oder Eifersucht. In meiner Welt funktioniert es gut, wenn die Personen das beide wirklich wollen. Wenn beiden klar ist: Wir wollen eine offene Beziehung haben. Und da gibt es dann auch Unterscheidungen: Was bedeutet offene Beziehung? Bedeutet das, wir haben Sex mit jemand anderem? Oder bedeutet das, wir können uns auch in den anderen verlieben? Und wie viele Personen können das sein? Auch da ist das Feld sehr weit. Bei Eifersucht ist meine persönliche Meinung oder meine persönliche Erfahrung auch: Wenn ich gemerkt habe, dass ich eifersüchtig bin, dann ist es immer darum gegangen, dass ein Bedürfnis von mir nicht gestillt ist. Und wenn ich merke, ich bin eifersüchtig, dann spüre ich bei mir nach: Was ist das für ein Bedürfnis, das ich da gerade habe, das ich auf jemand anderen projiziere, dass der das erfüllen muss? Und wenn ich draufkomme, dann stille ich dieses Bedürfnis mit mir und kümmere mich um mich. Und dann gehe ich wieder in Beziehung und entlaste die andere Person davon, dass sie das tun muss, was ich gerne hätte. Und wenn der Beziehungsvertrag passt und wir beide das selber wollen, dann geht die Beziehung auch weiter. Schwierig finde ich es echt, wenn man nicht das Gleiche will. Da hakt es dann immer ein bisschen.
Wirtschaftsmacher.com: Sie haben ja vorher gerade angesprochen, sichere Räume zu schaffen. Gerade bei einem so sensiblen Thema wie Sexualität: Was macht Ihrer Meinung nach einen Raum wirklich sicher für alle Anwesenden?
Reinhard Gaida: Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Was macht einen Raum wirklich sicher? Dass es klare Regeln gibt. Bei Events von mir ist es so, dass wir immer sagen: keine Mobiltelefone. Wir hängen so viel in sozialen Medien und E-Mails und WhatsApp-Nachrichten drinnen. Bei Events von mir ist es so: kein Telefon, damit man wirklich bewusst und ganz da sein kann. Und auch natürlich, dass sichergestellt ist, dass keine Fotos gemacht werden. Das zweite ist: Frag, bevor du jemanden berührst. Also immer fragen. Und alles außer ein enthusiastisches Ja ist ein Nein. Wenn die Person sagt: Ja bitte, berühre mich, red mit mir, flirt mit mir, ich möchte das. Dann ist das okay, wenn das weitergeht. Und wenn die Person sagt: Nein, dann ist eh klar, das soll nicht passieren. Und wenn kommt ein: Ja, ich weiß nicht … Das kann dann vielleicht heißen: nicht jetzt. Es kann aber auch heißen: nicht mit dir. Das kann aber auch heißen: ich will überhaupt nicht. Bei uns ist die Regel so, dass wir sagen: Nur ein enthusiastisches Ja ist ein Ja. Und es ist ganz wichtig, dass alle, die kommen, sich an diese Regeln halten. Und dann ist es bei Schwelle Events oder bei Events von Reinhard Gaida immer so, dass ich sage: Alkohol bitte in Maßen. Also das kann ein Genuss sein, aber wir wollen nicht, dass sich die Leute unter den Tisch trinken, weil das hat nichts mit dem zu tun, was ich umsetzen will. Und dass wir auch sagen: Es sind Räume ohne Substanzen. Oft wird ja vor allem auf Partys auch wirklich konsumiert und ich lege halt wirklich Wert darauf, dass man nüchtern ist. Weil ich finde, sobald man Substanzen konsumiert hat, kann man keinen Consent mehr geben. Und das ist ganz wichtig. Das ist auch so die Einführung einer Konsenskultur. Ich frage, bevor ich etwas tue, und ich bekomme eine klare Antwort. Und wenn ich ein Nein bekomme, dann ist die Antwort auf das Nein immer Danke. Und oft gibt es im Flirten dieses Spiel: Ich frage dich was, die Dame sagt: Weiß ich noch nicht. Und dann glaubt man oft, das heißt, ich muss mich noch ein bisschen mehr bemühen. Das wollen wir halt rauskriegen aus dem Verhalten. Ein Nein ist immer ein Nein und das ist ganz wichtig und das macht die Räume wirklich sicherer.
Wirtschaftsmacher.com: Das führt mich aber gleich zu meiner nächsten Frage, nämlich „Sex sales“. Hat jeder schon mal gehört. Und in einer Branche, die ja so stark am Boomen ist: Woran können Menschen wirklich unseriöse Angebote oder Anbieter erkennen, Ihrer Meinung nach?
Reinhard Gaida: Man merkt das gleich, wenn man sich wo anmelden will. Kann das eine freie Entscheidung sein oder ist das so dieser gängige Marketingdruck dahinter? Oder wird was versprochen, was nicht eingehalten werden kann? Es ist halt immer auch die Frage: Wofür will man sich anmelden? Wenn man wirklich zu einem sexpositiven Event kommen will, wo die Räume so sicher sind und wo es um persönliche Weiterentwicklung geht, dann merkt man es auch an der Sprache. Man merkt, was angeboten wird. Ist Consent wichtig? Sind die Räume substanzenfrei? Oder gibt es eine No-Drug-Policy? Das wäre auch ganz wichtig. Es gibt natürlich viele Orte, die sich als sexpositiv darstellen und dann ist klar, dass konsumiert wird. Das ist meiner Meinung nach – da ist Consent nicht möglich, sobald man drauf ist. Und daran erkennt man es ganz gut. Und auch wenn etwas versprochen wird, was man gar nicht wissen kann, ob man sich darauf einhalten kann.
Wirtschaftsmacher.com: Was tun Sie dann ganz konkret, um Grenzen, Consent und vielleicht eben auch Nachbetreuung wirklich sicherzustellen?
Reinhard Gaida: Ja, also wir haben die Events ja laufend. Und es gibt im Programm des Festivals und des Retreats ein gemeinsames Opening. Es gibt tagsüber Workshops, die man besuchen kann, die man sich selber zusammenstellen kann und aussuchen kann. Somit kann man die eigene Erfahrung selbst definieren. Dann gibt es immer Personen vor Ort, mit denen man auch sprechen kann. Falls einmal zum Beispiel so etwas wie Eifersucht hochkommt, was passieren kann, gibt es immer jemanden, der da ist, mit dem man das teilen kann. Wir haben auch ein gemeinsames Abschlussritual. Und zu guter Letzt ist es natürlich auch so, dass es Telegram- oder WhatsApp-Gruppen gibt, wo man sich austauschen kann, wo man mit Menschen in Kontakt bleiben kann. Und wir haben auf der Schwelle-Webseite auch ein riesengroßes Angebot an Menschen, mit denen man arbeiten kann, wenn man möchte. Da kann ich zum Beispiel erwähnen: Es gibt das KAPA-Netzwerk. Das ist ein ganzes Netzwerk an Kink-aware- und Poly-Therapeuten und Therapeutinnen. Da ist ein Spezialist nach dem anderen.
Wirtschaftsmacher.com: Jetzt haben wir auch schon mehrmals von Ihnen die Schwelle-Konferenz gehört. Die ist ja heuer bereits in Wien zu Ende gegangen im September. Was ist das Besondere an dieser Schwelle-Konferenz und wird es auch wieder welche in Wien geben demnächst?
Reinhard Gaida: Es wird eine Schwelle-Konferenz geben im Jahr 2026. Auf die freue ich mich schon ganz besonders. Der Termin steht noch nicht ganz fest. Aber es wird auf jeden Fall kommen. Was ist das Besondere? Das Besondere ist, dass uns das wirklich gelungen ist, das Thema Sexualität an die Universität zu bringen. Dass das Schaffen einer Konsenskultur auch wirklich ein akademisches Thema ist und ein Bildungsthema ist. Weil ich bin ja von Anfang an angetreten damit, die Sexualität auch ein bisschen aus der Schmuddelecke zu holen. Weil ich finde, Sexualität ist etwas ganz Wichtiges. Es geht auch um Sexual Health, also sexuelle Gesundheit. Und Sexualität wirklich so zu leben, wie man es leben will, macht dich zum vollständigen Menschen und geht in Richtung Gesundheit. Seine Sexualität zu unterdrücken, ist keine gute Sache. Und da bin ich schon sehr stolz darauf, dass wir es geschafft haben, wirklich auf die Universität mit der Konferenz zu kommen und vor allem auch so viele Leute anzusprechen. Beim letzten Mal waren über 200 Personen da. Und wir ziehen die Konferenz auch so ein bisschen nicht in klassische Frontalvorträge, wo unterrichtet wird. Sondern ich finde, Lernen darf Spaß machen. Das ist so ein bisschen die Party im Hörsaal.
Wirtschaftsmacher.com: Es darf ruhig ein bisschen spielerisch auch werden. Sie haben es ja eingangs auch erwähnt: Lebensmittelpunkt mittlerweile nach New York verlagert. Kann man dort vielleicht schon in naher Zukunft mit einer Schwelle Conference USA Edition rechnen?
Reinhard Gaida: Also der Lebensmittelpunkt ist noch nicht ganz in New York. Ich bin gerade dabei, das auf Schiene zu kriegen und im Einreichverfahren für ein O1E-Visum. Das muss man auch klar sagen. Da ist dann auch die Greencard und der Aufenthalt bestätigt, sobald das da ist. Es wird aber in diese Richtung gehen. Und ich liebe New York, weil die Menschen einfach total offen sind und weil man ganz viel Input kriegt und ganz viele neue Sachen lernen kann, die es bei uns so noch nicht gibt. Und das bringe ich natürlich mit und biete es auch auf den Schwelle-Events an.
Wirtschaftsmacher.com: Was glauben Sie persönlich: Warum ist vielleicht gerade der amerikanische Markt bei diesem Thema viel offener und kommunikativer als der deutsche?
Reinhard Gaida: In meiner Erfahrung sind wir im deutschsprachigen Raum, wenn es um Sexualität geht, oft ein bisschen geschämt. Und oft wird es eben in die Schmuddelecke geschoben. Und das ist es aber nicht. Also Sexualität ist wirklich etwas Positives und etwas, das zur Gesundheit des Menschen auch dazugehört und zum ganzheitlichen Ausdruck. Das ist in Amerika einfach auf einem anderen Level als bei uns. Da wäre es mir auch ein Anliegen, das mit den Events, die wir machen, weiter zu verbessern und cooler zu machen.
Wirtschaftsmacher.com: Vielleicht jetzt auch ganz persönlich gefragt: Wenn wir in die Zukunft der Beziehungs- und Sexualkultur blicken – was wünschen Sie sich persönlich?
Reinhard Gaida: Ich wünsche mir persönlich, dass solche Sachen wie MeToo nicht mehr passieren. Dass eine Konsenskultur da ist. Dass wir eine Konsenskultur schaffen können, wo man wirklich Sexualität nicht verdrängen muss. Dass so viele Übergriffe passieren oder dass ein Ja oder ein Nein nicht klar gehört wird, hat ja damit zu tun, dass das Thema in der Schmuddelecke ist oder verdrängt wird. Und wenn das wirklich am Tisch liegt und man sich mit seiner eigenen Sexualität wirklich auseinandersetzen kann und auch dazu stehen kann, dann macht es das sicherer für alle. Und da ist mein Wunsch wirklich, das Thema sexuelle Gesundheit am Tisch zu haben. Da gehört der Ausdruck auch dazu. Da gehört auch dazu zu wissen: Was gibt es für STDs und STIs, also sexually transmitted infections – einfach Geschlechtskrankheiten. Das gehört auch dazu, das einfach zu wissen. Und in dem Bereich Bildung zu haben, da ist es immer noch viel zu wenig. Und bei der Schwelle-Konferenz, wenn Dr. Matthias Skoczyk kommt und die Bilder am großen Bildschirm zeigt, was es alles gibt, da gibt es immer ganz große Augen. Mein Wunsch ist wirklich, dass das Thema noch mehr in der Breite der Gesellschaft ankommt und aus dem verdrängten Eck herauskommt.
Wirtschaftsmacher.com: Gibt es abgesehen davon noch einen oder mehrere Punkte, von denen Sie sich wünschen, dass Menschen, die Ihre Veranstaltungen besucht haben, mitnehmen?
Reinhard Gaida: Ja, also auf den Veranstaltungen von mir geht es immer um Nähe und Intimität. Und wir leben in einem Zeitalter, wo wir mit dem Telefon jederzeit jeden überall erreichen können. Dann hängt man viel in Social Media, auf Instagram, auf Facebook, und es geht der persönliche Kontakt ein bisschen verloren. Und um was geht’s im Leben? Es geht darum, mit wem man sich trifft, mit wem man was macht und wie man Zeit verbringt. Und da wünsche ich mir einfach mehr Intimität, mehr Nähe und wirklich wieder weg vom Telefon, weg vom Computer. Dorthin zu kommen, dass man miteinander Zeit verbringt, schöne Zeit verbringt. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir die Events machen. Und dann natürlich auch die passenden Menschen kennenzulernen.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Gaida, ich glaube abschließend kann man sagen: Es geht nicht nur um Sexualität verallgemeinert, sondern auch darum, wirklich Nähe herzustellen, zu spüren und einfach selbst wieder ein bisschen mehr Mensch zu sein, richtig?
Reinhard Gaida: Das könnte ich jetzt ganz einfach mit Ja beantworten. Ich sage trotzdem noch was dazu. Ja, es geht um Intimität und Nähe und darum, zusammen einfach schöne Zeit zu verbringen. Und das beinhaltet manchmal Sexualität. Manchmal nicht. Das Schöne ist immer, wenn man in sichere Räume eintritt, in denen alles möglich ist, man Dinge tun kann, aber nicht muss. Und wenn alle Personen einfach ihr Ja geben können und wenn ein Nein auch respektiert wird, dann ist der Raum safe.
Wirtschaftsmacher.com: Vielleicht als Schlusswort würde ich Ihnen heute gerne überlassen: Gibt es eine wichtige Message für unsere Zuseherinnen und Zuseher?
Reinhard Gaida: Also ich freue mich wirklich drauf, wenn sich beim Cocoon-Retreat viele Menschen anmelden, weil es wirklich um Intimität und Nähe und Verbundenheit geht und weil man einfach ganz viel lernen kann. Ich freue mich immer, wenn Menschen sich weiterentwickeln und wenn es dann auch noch im Bereich Beziehungen und Sexualität ist. Finde ich: Besser geht es nicht.
Wirtschaftsmacher.com: Ganz wichtig: Wo und wie kann man sich für das Retreat anmelden?
Reinhard Gaida: Man geht auf die Webseite www.the-cocoon.com oder auf die Webseite www.reinhardgaida.com und von dort findet man den Weg ganz schnell zum Retreat oder auch zum Schwelle-Festival. Der Retreat ist in Griechenland, in Kreta, in einem wunderschönen Hotel. Und das Festival ist in Zell am See, auch in einem wunderschönen Hotel. Und beide Events werden sehr schnell ausverkauft sein. Und ich freue mich drauf.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank. Herr Gaida, ich bedanke mich für das offene Gespräch und danke, dass Sie bei uns im Studio waren heute.
Weitere Informationen, Programmübersichten und Anmeldemöglichkeiten finden Interessierte unter www.reinhardgaida.com.
Impressum:
Schwelle7 GesmbH
Reinhard Gaida
Bloch Bauer Promenade 20/18
1100 Wien
E-Mail: info@schwelle.at
Website: reinhardgaida.com
Website: schwelle.events
Website: schwelle-conference.com





















