Dezentrale Energieversorgung, stabile Strompreise und regionale Wertschöpfung – Energiegemeinschaften gelten als einer der spannendsten Ansätze im österreichischen Strommarkt. Im Interview spricht Markus Huber über seinen Weg vom Elektriker zum Geschäftsführer der Max Photovoltaik GmbH, über die Funktionsweise von Energiegemeinschaften, Marktverwerfungen der letzten Jahre und warum Sonnenstrom heute direkt vom Erzeuger zum Endkunden fließen kann.
Wirtschaftsmacher.com: Hallo und herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe von WirtschaftsMacherTV. Wir sprechen heute mit Markus Wuber, dem Geschäftsführer der Max Photovoltaik GmbH, einem Unternehmen, das Stromversorgung neu denkt und Haushalte sowie Betriebe in ganz Österreich direkt mit regional erzeugtem Sonnenstrom versorgt. Mit dem innovativen Modell der Energiegemeinschaft wird Strom direkt vom Erzeuger bezogen, ähnlich wie Milch am Hof, nur eben in Form von nachhaltiger Energie. Das sorgt für faire Preise, regionale Wertschöpfung und volle Transparenz. Herr Huber, schön, dass Sie heute bei uns im Studio sind.
Markus Huber: Hallo.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Huber, Sie sind gelernter Elektriker und haben jetzt heute ein eigenes Unternehmen im Photovoltaik-Bereich. Wie kann ich mir diesen Werdegang vorstellen, vom Elektriker zum Unternehmensinhaber?
Markus Huber: Ich habe damals für mein Einfamilienhaus eine Photovoltaikanlage gesucht. Ich habe damals schwierig nur einen Anbieter gefunden, also 2008 hat es da nicht wirklich viel gegeben, also firmenmäßig. Ich habe dann einen gefunden, da habe ich die Anlage gekauft. Ein paar Nachbarn haben auch gemeint, sie wollen das auch haben. Denen habe ich das dann mit installiert. Und so ist es dann gekommen, dass ich mit einem Gewerbeschein angefangen habe, die Anlage zu montieren. Eigentlich damals in Zug, für den damals, den ich das gekauft habe. Und es sind immer mehr geworden, und da habe ich mir dann gedacht, das kann ich selber auch. Und habe dann meine eigene Firma gegründet, habe dann den Meisterkurs nachgemacht, damit ich den Gewerbeschein lösen kann für Elektrotechnik. Und habe 2014 aus Zeitmangel dann natürlich kündigen müssen. Seitdem bin ich ganz selbstständig und baue nur Photovoltaikanlagen, also ausschließlich. Keine Elektroinstallationen und sonst nichts, sondern Vollzeit nur das. Nachdem ich dann schon hunderte Anlagen gebaut habe für jede Menge Kunden, habe ich mir gedacht, für mich selber wäre das auch nicht schlecht, als Geschäftsmodell den Strom auch zu verkaufen und direkt zu vermarkten. Es hat sich da noch ein bisschen nicht so abgezeichnet mit den Energiegemeinschaften, aber das ist dann schon langsam gekommen. Und dann habe ich angefangen, Hallendächer zu pachten, da Anlagen zu errichten. Zuerst eine im Jahr, dann zwei, immer auf bis zur größten Anlage, auf 13 Gewerbehallen vor einer Spedition, wo wir zwei Megawatt installiert haben innerhalb von einem halben Jahr. Und all diese Anlagen, den Strom verkaufen wir jetzt direkt in der Energiegemeinschaft.
Wirtschaftsmacher.com: Wie genau funktioniert jetzt dieses Geschäftsmodell, Strom direkt vom Erzeuger in der Praxis?
Markus Huber: Die Anlagen befinden sich großteils in Niederösterreich. Da wird auch eingespeist, das sind Volleinspeisanlagen, alles auf Dach. Also keine Freiflächenanlagen. Und die Energiegemeinschaft ist einfach ein Portal über die Netzbetreiber, wo die Kunden angemeldet werden und wir angemeldet sind. Und der Strom wird eingespeist und beim anderen Kunden verbraucht, und der wird abgerechnet.
Wirtschaftsmacher.com: Was unterscheidet Ihre Energiegemeinschaft von einem klassischen Tarifanbieter?
Markus Huber: Eine Energiegemeinschaft hat ja das Ziel, dass es gleichbleibend derselbe Preis ist. Es gibt keine Schwankungen wie am Strommarkt, an der Börse oder die Flohtarife, die etliche Leute haben. Das ist zwar billig, meistens über den Sommer, aber im Winter stark teurer. Wir haben ja immer denselben Preis, also für die Endkunden sind das 12 Cent netto. Bei Gewerbe gibt es natürlich dementsprechend günstigere Preise. Wir haben aber keine Grundgebühr, keine Einschreibgebühr, keine Zählerpauschale und keine Kündigungsfrist. Also, es ist noch ein Monat, man kann jederzeit wieder gehen, was bis jetzt keiner gemacht hat. Es gibt an sich keinen Grund, weil es hat auch keinen Nachteil. Viele Leute glauben, das hat irgendwo einen Haken oder so, aber es ist nicht so. Im Verhältnis zu einem klassischen Stromtarif bleibt meistens bei 15 Cent einfach etwas weniger und bleibt da so.
Wirtschaftsmacher.com: Wenn wir jetzt ein paar Jahre zurückgehen, wenn wir uns erinnern, 2021, 2022, der große Boom von Photovoltaik.
Markus Huber: Ja, 2023 war das meiste, das schlimmste, das stärkste Jahr. Da waren Lieferzeiten bis zu einem Jahr auf Material und da haben wir rund um die Uhr gearbeitet. Da haben wir auch die größten Anlagen gebaut zu der Zeit.
Wirtschaftsmacher.com: Und vor allem auch in dieser Zeit war der Einspeisetarif für Photovoltaik-Anlagen exorbitant hoch.
Markus Huber: Ja, der ist zu Weihnachten mal bis auf 50 Cent gegangen, da sind dann die Glücksritter gekommen, wie man so schön sagt. Aber er war durchschnittlich im Jahr fast auf 25 Cent. Jetzt sind wir beim Einspeisetarif für zwischen 6 und 10 Cent, was man am Markt an der Börse kriegt. Also im Sommer nur 5 Cent.
Wirtschaftsmacher.com: Das heißt, als Betreiber einer PV-Anlage…
Markus Huber: … ist der Marktpreis schlecht, weil das geht sich da dann nicht aus, dann ist das zu wenig. Darum auch der Verkauf an die Endkunden. Das wird beim Bauern, der an den Billa liefert, die sind auch nicht zufrieden mit dem Milchpreis. Und wir halt auch nicht mit dem Börsenpreis. Also es ist eine Win-Win Situation für beide. Der Endkunde hat einen billigen Preis und wir einen gleich bleibenden Preis über das ganze Jahr, was wir das Einspeisen kriegen.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Kundengruppen profitieren jetzt eigentlich am meisten von so einer Energiegemeinschaft?
Markus Huber: Eher schon die privaten, wobei Großkunden halt leichter werden, weil die einfach mehr Strom brauchen. Da hat man nicht so viele Kunden. Aber es ist egal für wen, für alle ist es da.
Wirtschaftsmacher.com: Gibt es auch skeptische Neukunden? Die sagen, Energiegemeinschaft, habe ich noch nie gehört. Was soll das überhaupt sein?
Markus Huber: Die gibt es schon, aber das ist in Österreich nicht mehr so viel. Also in Österreich hat es sich schon durchgesetzt. In Deutschland gibt es das also ganz Europa nicht. Österreich ist der Vorreiter mit Energiegemeinschaften, wo es auch technisch schon funktioniert. Die anderen hätten es alle gern, aber da fehlen auch die Smart Meter, also das Grundlegende. Der Smart-Meter-Rollout in Deutschland liegt bei 5 %, und in Österreich sind wir ja bei 98 % oder so fertig, und ohne den funktioniert es nicht, ohne die Viertelstunden-Echtzeitdaten, kann man nirgends einen Strom in Echtzeit verkaufen, von der Sonne ins Haus.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Huber, welche Probleme sehen Sie aktuell am Strommarkt?
Markus Huber: Dass trotzdem, es gibt viel Lokangebote, wo die Energieanbieter ja viel haben, das erste Jahr ist das günstig, da kriegst du 200 Euro Rabatt und dann wird es richtig teuer, dann geht das über 20 Cent auf, also es werden die Leute sehr verwirrt und viel befassen sich gar nicht damit und denken, ich kann es eh nicht ändern, der Preis, den ich habe, der ist halt so. Es gibt Kunden, die sagen, ich bin schon 50 Jahre bei der EVN und da bleibe ich halt und wer weiß, was da ist und es geht dann das Licht aus, wenn man da wechselt und wie soll das funktionieren, aber jetzt gibt es das schon drei Jahre und es geht eigentlich ganz gut, also rechentechnisch und so funktioniert es und bei niemandem ist das schwarz geworden oder finster. Es geht bei allen.
Wirtschaftsmacher.com: Also keiner hat sich beschwert bisher?
Markus Huber: Nein. Es gibt eher Probleme mit den Netzanbietern; da sind nicht alle gleich schnell oder in der Steiermark gibt es viele kleine, da haut das nicht so hin. Also, es geht eher bei den Großen leichter zum Anmelden, prinzipiell. Da ist ja kein Wechsel; eine Anmeldung geht innerhalb von einem Tag, wenn es rund läuft. So wie in Niederösterreich geht das sehr gut, in Wien halt eher nicht. Aber sonst geht es eigentlich gut. Für den Endkunden ändert sich gar nichts. Nur eine zweite Rechnung; die alte Rechnung bleibt da. Man hat ja einen Grundversorger, den Netzbetreiber, den man jetzt gehabt hat, hat man ja auch weiterhin; muss man haben, technisch. Und wir liefern ja, sobald es hell wird, den ganzen Tag über den Sonnenstrom bis zum Dunkelwerden. Die Netzgebühren werden auch weiterhin eingekommen vom Netzbetreiber; da ändert sich nichts dran. Die Ersparnis liegt bei den normalen Strompreisen.
Wirtschaftsmacher.com: Ihrer Meinung nach, unter den ganzen Anbietern von Energiegemeinschaften, auch vielleicht das ein oder andere schwarze Schaf, das Endkunden meiden sollten?
Markus Huber: Nein, gibt es nicht. Ich meine, jetzt gibt es ja schon wirklich sehr viele, mehrere tausend Energiegemeinschaften, hauptsächlich regionale. Es gibt zwar schon über 500, aber es gibt noch wirklich welche von der Energie Burgenland, die da eigentlich mitmachen sollten. Die betreiben das genauso, das ist halt ein bisschen fragwürdig. Ob die das auch, wenn die da sind, sammeln die auf der zweiten Schiene die Privatleute nur mit an Energiegemeinschaften. Es gibt kein schwarzes Schaf im Burgenland, aber es hat eine schiefe Optik. Es ist halt nicht Sinn der Sache, sagen wir mal so, für so etwas nicht gedacht.
Wirtschaftsmacher.com: Lässt sich das dann eigentlich unterteilen in, es gibt gute als auch schlechte Energiegemeinschaften?
Markus Huber: Nein, wir liegen auch preislich alle ähnlich, also es pendelt sich genauso ein wie der Freimarkt von normalen Anbietern. Das meiste sind natürlich regionale Gemeinschaften, weil sie die Netzgebühren als Ersparnis haben. Wenn ich mich im Umkreis in meiner Ortschaft gegeneinander, der Nachbar hat eine und ich habe keine, dann ist das natürlich noch besser. Dagegen kann ich in unserer Gemeinschaft nichts sagen, weil wir liefern österreichweit und da bleiben die Netzgebühren bestehen, wie sie sind. Dafür können wir aber viel größere Mengen liefern, als wenn wir in einer kleinen Ortschaft sind.
Wirtschaftsmacher.com: Sie planen, glaube ich, selbst auch mit einem Großspeicher zu kommen in nächster Zeit.
Markus Huber: Ja, genau.
Wirtschaftsmacher.com: Was wird sich denn dadurch verändern?
Markus Huber: Wir können dann rund um die Uhr liefern. Jetzt ist es so, wenn die Sonne untergeht am Abend, endet auch die Lieferung von unserem Strom und man bekommt den Strom normal vom herkömmlichen Lieferanten, wie immer. Wenn ein Großspeicher im System drin ist, dann können wir den selber untertags, wo wir auch zu viel haben, aufladen und dann die ganze Nacht durch die Kunden versorgen. Dasselbe ist, wenn ein Windrad einspeist in der Energiegemeinschaft oder ein Wasserkraftwerk, dann hat man auch rund um die Uhr die Versorgung.
Wirtschaftsmacher.com: Wer kann denn jetzt auch wirklich Teil der Energiegemeinschaft werden, beziehungsweise gibt es auch Ausschlusskriterien mitunter?
Markus Huber: Nein, gibt es nicht. Es gibt in Österreich sechs Millionen Stromzähler und daran können alle teilnehmen, an jeder Gemeinschaft oder an unserer, und aktuell gibt es erst 150.000 teilnehmende Zählpunkte, also Kunden. Also, es ist eigentlich noch viel Luft nach oben, aber die meisten Leute schreckt es halt einfach ab. Kennt man das nicht so? Geht das wirklich?
Wirtschaftsmacher.com: Und vielleicht zum Abschluss noch, Maxx Photovoltaik GmbH, wo sehen Sie Ihre Firma in den nächsten zehn Jahren?
Markus Huber: Ja, dass wir das System eigentlich noch größer machen können. Ich vermarkte aktuell ja nur meinen eigenen Strom, also wir haben 16 Anlagen, die wir jetzt betreiben mit den 4 Megawatt, und wir haben ja ganz viele Anfragen von all den Kunden, die uns Strom liefern wollen. Aber ich kann den einfach dann größer abnehmen, wenn wir mehr Kunden auf der anderen Seite haben. Es muss sich immer ein bisschen die Waage halten. Ich kann nur Strom abnehmen und weiterverkaufen, was die Kunden dazu geben, und da wären schön noch ein paar ganz große Abnahmen, dann geht das leichter.
Wirtschaftsmacher.com: Das heißt vielleicht auch, die letzten Worte von Ihrer Seite, ein kleiner Aufruf, möglicherweise teilzunehmen.
Markus Huber: Ja, es ist auch ganz einfach, sich zu registrieren, man muss eigentlich nur auf unserer Homepage www.maxx.pro gibt es ein Anmeldeformular, das kann man ausfüllen, und dann kriegt man eigentlich schon mit der letzten Jahresrechnung, die man hat, kriegt man einen Vertrag zugeschickt. Den unterschreibt man, schickt zurück. Es ist eigentlich sehr einfach, sich anzumelden.
Wirtschaftsmacher.com: Super, dann Herr Huber, vielen Dank für das Gespräch, dass Sie im Studio waren.