Ben Winter über die Bildungslücke, die Österreicher bares Geld kostet

Finanzielle Bildung sei genauso elementar wie Gesundheit, Sport und Ernährung – nur werde sie in Österreich systematisch übergangen: Diese These vertritt Ben Winter, Jahrgang 1999, Unternehmer aus Oberösterreich und Gründer von einfach.TUN. Mit der „Mission 1000“ will er gemeinsam mit 1.000 Geschäftspartnern Finanzwissen so vermitteln, dass es im Alltag ankommt. Im Gespräch erläutert er, wo diese Bildungslücke konkret Geld kostet, welche Denkfehler in österreichischen Haushalten besonders häufig auftreten und weshalb er das Thema für die kommenden Jahre als wirtschaftspolitische Baustelle betrachtet.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Winter, Sie sprechen von einer Bildungslücke, die Menschen Geld kostet. Woran lässt sich diese Lücke festmachen?
Ben Winter: An etwas sehr Banalem: Fast jeder in Österreich hat zumindest einmal eine Kurvendiskussion gelöst. Aber kaum jemand kann erklären, wie die staatliche Pension tatsächlich berechnet wird, was Inflation über zwanzig Jahre mit einem Sparbuch macht oder woran man die Gesamtkosten eines Kredits erkennt. Das ist kein individuelles Versagen, das ist eine Systemlücke – und sie hat einen Preis. Ich habe das selbst erlebt: Ich hatte einen HTL-Abschluss, einen soliden Job und saß trotzdem vor Verträgen, die ich nicht verstanden habe. Genau deshalb habe ich einfach.TUN aufgebaut, um dieses Wissen dorthin zu bringen, wo es fehlt.
Wirtschaftsmacher.com: Sie stellen finanzielle Bildung auf dieselbe Stufe wie Gesundheit, Sport und Ernährung. Ist dieser Vergleich nicht etwas hoch gegriffen?
Ben Winter: Ich halte ihn für ausgesprochen passend. Bei Ernährung und Bewegung ist längst akzeptiert, dass sich Versäumnisse erst Jahrzehnte später bemerkbar machen – niemand spürt am Dienstag, was er am Montag falsch gemacht hat. Bei Geld ist es identisch: Man kann seine Finanzen zehn Jahre lang ignorieren, ohne dass etwas Dramatisches passiert. Die Rechnung kommt später, meistens rund um den Pensionsantritt, und dann ist sie kaum noch korrigierbar. Der Unterschied ist nur: Über Ernährung wird in Österreich öffentlich diskutiert, über die eigene Finanzplanung schweigt man. Diese Tabuisierung ist teurer, als den meisten bewusst ist.
Wirtschaftsmacher.com: Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem fehlendes Wissen tatsächlich messbar Geld gekostet hat?
Ben Winter: Ein Fall beschäftigt mich bis heute. Ein Kunde kam mit dem Wunsch, seine monatlichen Fixkosten zu durchleuchten – am Ende standen über 384 Euro Ersparnis pro Monat. Den größten Anteil daran hatte seine Wohnbaufinanzierung: Er hatte sechs Monate zuvor bei seiner Hausbank unterschrieben, wir haben den Kredit anschließend mit allen Finanzierungsstellen Österreichs verglichen. Trotz Umschuldungskosten kam über die Gesamtlaufzeit eine Ersparnis von rund 78.000 Euro zusammen. Der einzige Unterschied war, dass er Dokument B statt Dokument A unterschrieben hat. Mich beschäftigt seither eine Frage: Wie viele Jahre muss ein durchschnittlicher Haushalt arbeiten oder sparen, um 78.000 Euro beisammen zu haben? Genau in dieser Relation liegt der Wert von Finanzwissen. Über alle betreuten Fälle hinweg, aktuell mehr als 2.500 Kundinnen und Kunden, liegen wir nach unseren eigenen Auswertungen bei durchschnittlich rund 3.000 Euro pro Person und Jahr, die eingespart oder sinnvoller angelegt werden.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Denkfehler beobachten Sie in österreichischen Haushalten besonders häufig?
Ben Winter: Drei Muster wiederholen sich. Erstens die Sparbuch-Mentalität: Geld gilt als sicher, solange es nicht bewegt wird – dabei entwertet die Inflation es leise und verlässlich. Zweitens die Reihenfolge: Viele beginnen mit der Frage „Wo lege ich an?“, obwohl zuerst geklärt werden müsste, wie stabil das eigene Budget ist und welche Risiken den Einkommensfluss bedrohen. Und drittens der blinde Fleck bei den Fixkosten. Verträge, Gebühren, Laufzeiten – das sind unspektakuläre Themen, aber sie entscheiden über zwei- bis dreistellige Beträge pro Monat. Wer diese drei Punkte in die richtige Ordnung bringt, hat oft mehr gewonnen als mit dem Streben nach hohen Renditen. Und er kann seine Entscheidungen einem Dritten erklären, das ist für mich das eigentliche Qualitätskriterium.
Wirtschaftsmacher.com: Die „Mission 1000“ setzt auf 1.000 Geschäftspartner. Warum braucht Aufklärung ein Netzwerk dieser Größe?
Ben Winter: Weil Bildung nicht skaliert, wenn sie an einer Person hängt. Ein einzelner Berater erreicht ein paar hundert Haushalte, das ist ehrenwert, verändert aber nichts am Wissensniveau eines Landes. Mit 1.000 Geschäftspartnern, die alle dieselbe Reihenfolge einhalten – erst analysieren und erklären, dann empfehlen –, entsteht eine Reichweite, die spürbar wird. Deshalb steht bei uns die Ausbildung am Anfang und nicht das Produkt. Wer als Partner einsteigt, durchläuft ein persönliches Gespräch, eine fundierte Ausbildung und ein enges Mentoring; die Finanzpiloten sind dabei unser Eliteprogramm, in das man nicht eingestellt, sondern befördert wird. Ich weiß, dass die Branche in dieser Frage Vertrauen verspielt hat, umso wichtiger ist es, das Gegenteil überprüfbar vorzuleben.
Wirtschaftsmacher.com: Sie sind Jahrgang 1999 und sprechen viel über die Pension. Ist das nicht ein Thema für später?
Ben Winter: Im Gegenteil, es verhält sich genau umgekehrt. Für meine Generation ist die Pensionslücke keine Fußnote in einem Statistikbericht, sondern eine sehr konkrete Rechenaufgabe – die Demografie lässt daran wenig Interpretationsspielraum. Wer erst mit fünfzig beginnt, muss ein Vielfaches aufwenden, um dasselbe Ergebnis zu erreichen. Der große Hebel meiner Altersgruppe heißt Zeit, nicht Einkommen. Dass gerade ein so junger Unternehmer über Altersvorsorge spricht, irritiert manche – ich halte es für die logischste Konsequenz aus den Zahlen. Dazu kommt eine zweite Entwicklung, die ich täglich sehe: Junge Menschen wollen Aufgaben mit Sinn und einen Aufstieg, der über Leistung entschieden wird, nicht über das Dienstalter. Beide Entwicklungen laufen auf denselben Punkt zu: Mehr Eigenverantwortung.
Wirtschaftsmacher.com: Was müsste geschehen, damit finanzielle Bildung in Österreich selbstverständlich wird?
Ben Winter: Sie müsste denselben Status bekommen wie Lesen und Schreiben – langfristig gehört das aus meiner Sicht in die Schule. Bis dahin füllt jemand anderer diese Lücke, und die Frage ist nur, mit welcher Haltung. Meine Antwort darauf ist Bildung vor Verkauf, konsequent und nicht verhandelbar. Ich messe unseren Erfolg auch nicht am einzelnen Abschluss, sondern daran, ob jemand in zehn Jahren sagt: Ich habe damals verstanden, was ich tue, und es war richtig. Und ich wünsche mir mehr Entschlossenheit bei diesem Thema – nicht nur darüber sprechen, sondern anfangen. Dafür steht der Name unserer Organisation.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Gespräch und die offenen Einblicke.
Weiterführende Informationen zu Ben Winter und der Mission 1000 finden sich unter www.benwin.eu.
Impressum:
einfach.MEHR – Deine Finanzpiloten GmbH
Lastenstraße 36/16, City Tower II
4020 Linz
Firmenbuchnummer: FN 678633s
Geschäftsführer: Benedikt Winter
Telefon: +43 650 3943482
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