Der unternehmerische Erfolg von Dimitri Kuzin und My Solar Express beruht nicht auf Zufällen oder kurzfristigen Markttrends, sondern auf systematischer Planung, konsequenter Digitalisierung und einer klaren Führungsphilosophie. Im Interview spricht Kuzin über die Herausforderungen des Unternehmenswachstums, die Bedeutung von KPIs, Recruiting und Unternehmenskultur – und teilt seine wichtigsten Erkenntnisse auf dem Weg vom regionalen Handwerksbetrieb zur Unternehmensgruppe mit Millionenumsatz.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Kuzin, My Solar Express steht heute für rasantes Wachstum – wie gelingt der Sprung vom Handwerksbetrieb zur Unternehmensgruppe?
Dimitri Kuzin: Entscheidender Motor für nachhaltiges Wachstum sind durchdachte Systeme und standardisierte Prozesse. Vom Onboarding neuer Mitarbeitender bis hin zur Projektabwicklung wird bei My Solar Express alles dokumentiert, digital abgebildet und regelmäßig überprüft. Dadurch gelingt es, Qualität und Geschwindigkeit zugleich hochzuhalten, bei inzwischen mehreren tausend Projekten jährlich. Gerade in einer traditionell handwerklich geprägten Branche macht es den Unterschied, wenn Kompetenz, Ausbildung und eigendefinierte Standards nicht nur im Kopf Einzelner, sondern in klaren Abläufen, Checklisten und digitalen Tools verankert sind. My Solar Express hat frühzeitig in diese Systeme investiert, weil Wachstum auf Zuruf irgendwann mit Komplexität und Fehlern bezahlt wird.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Rolle spielen Führung und Unternehmenskultur im Prozess der Skalierung?
Dimitri Kuzin: Letztlich ist jede Wachstumsstrategie nur so stark wie das Team, das sie trägt. Bei My Solar Express wird konsequent auf Eigenverantwortung und Vertrauen gesetzt, aber nicht als leere Floskel. Mitarbeitende erhalten echte Entscheidungsspielräume und Zielvorgaben, gleichzeitig gibt es regelmäßige Feedback- und Entwicklungsgespräche. Das Ziel ist eine Kultur, in der konstruktive Kritik, Ideen und Experimente willkommen sind, Fehler als Chance begriffen werden und persönlicher Erfolg am Beitrag zum Unternehmenserfolg gemessen wird. Flache Hierarchien fördern Tempo, und eine offene Kommunikation minimiert Reibungsverluste im Alltag.
Wirtschaftsmacher.com: Recruiting ist für Wachstumsunternehmen ein kritischer Engpass. Wie gehen Sie damit um?
Dimitri Kuzin: Wir versuchen, Recruiting nicht als kurzfristige Reaktion auf Personalbedarf zu sehen, sondern als kontinuierlichen, systematischen Prozess. Empfehlungsprogramme, Employer Branding, strukturierte Auswahlverfahren und eine zügige Integration neuer Mitarbeitender sind bei uns Standard. Technische Fähigkeiten lassen sich durch interne Schulungen und Mentoring zügig aufbauen und vereinheitlichen. Zentral ist jedoch, ob das Mindset zur Unternehmenskultur passt – Loyalität, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wiegen bei uns mehr als makellose Lebensläufe. Menschen, die mitziehen, sind der größte Hebel für nachhaltiges Wachstum.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Bedeutung messen Sie Kennzahlen, KPIs und Digitalisierung für die Steuerung Ihres Geschäfts bei?
Dimitri Kuzin: Digitalisierung und Transparenz bei Kennzahlen sind bei uns fest verankert. Jede Projektphase, von der Beratung bis zur Nachbetreuung, wird über digitale Dashboards abgebildet und ausgewertet. Wir arbeiten mit wenigen, aber dafür glasklaren KPIs – wie Zeit bis zur Angebotserstellung, Abschlussquoten, Prozessdurchlaufzeiten oder Zufriedenheitswerten. Das versetzt Führungskräfte und Teams in die Lage, Verbesserungsbedarf frühzeitig zu erkennen, Engpässe zu beheben und Kapazitäten gezielt aufzubauen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sie muss Klarheit schaffen. Das bewahrt uns davor, durch subjektive Einschätzungen an Tempo oder Qualität einzubüßen. Und: Offenheit mit Zahlen schafft ein Miteinander auf Augenhöhe.
Wirtschaftsmacher.com: Gibt es besondere Fehler oder Erkenntnisse, die Ihren Weg geprägt haben?
Dimitri Kuzin: Gescheitert sind wir immer dann, wenn wir dachten, Persönliches ließe sich über den Prozess stellen, etwa Ausnahmen für Mitarbeitende oder Kunden zulassen, weil es gerade einfacher erschien. Im Nachhinein waren das immer Bremsen, weil sie zu Grauzonen im System führten. Wichtigste Lektion: Konsequenz im System schlägt kurzfristige Pragmatik. Zweites Learning: Tempo beim Wachsen darf nie zulasten der grundlegenden Werte und Qualität gehen. Gerade Übergangsphasen, etwa die Skalierung auf neue Standorte oder das Hinzufügen neuer Dienstleistungen, verlangen eine sorgfältige Migration der Unternehmenskultur. Erst wenn das System für 10 funktioniert, kann es für 100 skalieren.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke!
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