Wie lassen sich teure Arbeitsunfälle in Unternehmen verhindern? Wirtschaftsmacher.com hat Alex Glantschnig, externe Sicherheitsfachkraft (SFK), zu den wirtschaftlichen Folgen von Arbeitsunfällen, den typischen Fehlern bei der Prävention und den Anforderungen an glaubwürdige Analyse- und Maßnahmenprozesse im Betrieb befragt. Im Interview gibt der Experte Einblicke, warum präzise Erhebungen und das Vermeiden von Betriebsblindheit zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitssicherheit führen und wie sich Ausfallkosten senken lassen.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Glantschnig, woran scheitert effektiver Arbeitnehmerschutz in der Praxis am häufigsten?
Alex Glantschnig: Viele Sicherheitskonzepte bleiben auf dem Papier. Häufig reagiert ein Betrieb erst, wenn die Unfallstatistiken steigen oder eine Behördenprüfung ansteht. Doch echte Prävention bedeutet, Analysen objektiv und mit kritischem Blick durchzuführen. Gerade als externe Sicherheitsfachkraft (SFK) erkenne ich, dass die sogenannte Betriebsblindheit oft unterschätzt wird. Routinen und pragmatische Lösungen sind im Alltag bequem, schaffen aber keine nachhaltige Sicherheit. Was fehlt, ist eine sachliche Analyse der realen Risikofaktoren und deren ökonomischen Folgen, diese kennen interne Fachkräfte oft nicht in dieser Klarheit, weil ihnen der neutrale Blick und die Erfahrung aus unterschiedlichen Branchen fehlen.
Wirtschaftsmacher.com: Wie identifizieren Sie Unfall-Hotspots in Unternehmen und welche Kennzahlen helfen dabei?
Alex Glantschnig: Entscheidend sind systematische Begehungen, standardisierte Gefährdungsbeurteilungen und die lückenlose Dokumentation von Unfällen, Beinahe-Unfällen und kritischen Ereignissen. Ausgangspunkt ist stets die Auswertung relevanter Kennzahlen, etwa der Lost Time Injury Rate (LTIR) oder der Total Frequency Injury Rate (TFIR), die zeigen, wo Unfall-Hotspots sichtbar werden. Gemeinsam mit dem Betrieb analysiere ich, wo wiederholt Vorfälle auftreten, wie hoch die Kosten pro Ausfalltag wirklich sind und wie sich Folgekosten, z. B. für Reha, Ersatzpersonal und Demotivation, summieren. Wichtig ist: Zahlen müssen in konkrete Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt werden, sonst bleibt Prävention wirkungslos.
Wirtschaftsmacher.com: Viele Betriebe glauben, mit interner SFK oder AUVA sei alles erledigt. Warum ist ein externer Blick trotzdem wertvoll?
Alex Glantschnig: Interne Sicherheitsfachkräfte leisten viel, aber Routinen führen oft zur Betriebsblindheit. Notwendige Veränderungen werden dann übersehen oder auf Behördenforderungen reduziert. Ein externer Partner sieht Schwachstellen unvoreingenommen, bringt branchenübergreifendes Know-how mit und bietet konkrete, praxisnahe Maßnahmen statt Pauschalkritik. Entscheidend ist auch die offene Kommunikation im Betrieb, wer nur ein Protokoll abliefert, hilft kaum weiter. Ich verstehe meine Rolle als verlässlicher Partner, der Betriebe begleitet, Maßnahmen durchsetzt und objektiv dokumentiert. Dabei steht respektvolle Zusammenarbeit mit allen Hierarchieebenen im Vordergrund, was für eine gesunde Sicherheitskultur unerlässlich ist.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Maßnahmen helfen nach Analyse eines Unfall-Hotspots tatsächlich, um Ausfallkosten zu senken?
Alex Glantschnig: Entscheidend ist die Kombination aus klaren Anweisungen, praktischen Lösungen und der Einbindung der betroffenen Mitarbeiter. Maßnahmen müssen praktikabel sein und sich an den tatsächlichen Arbeitsabläufen orientieren. Häufig reicht es, Kleinigkeiten zu verändern, etwa Wegeführungen zu optimieren, Hebehilfen einzuführen oder Unterweisungen gezielt auf die Hauptgefahren auszurichten. Wichtig ist dabei: Mitarbeiter wissen oft am besten, wo es im Alltag hakt. Deren Vorschläge aktiv einzubeziehen motiviert und erhöht die Sicherheit nachhaltig. So lassen sich nicht nur Unfallzahlen, sondern vor allem auch die direkten und indirekten Kosten pro Ausfalltag senken.
Wirtschaftsmacher.com: Mit welcher Haltung und Motivation gehen Sie als SFK ans Werk?
Alex Glantschnig: Als zweifacher Familienvater und Ehemann weiß ich, wie wichtig es ist, gesund nach Hause zu kommen. In meiner Laufbahn habe ich die Folgen von Arbeitsunfällen hautnah miterlebt, manche davon mit langfristigen Auswirkungen. Für mich ist Arbeitnehmerschutz keine Pflichtübung, sondern eine Frage der Verantwortung und Wertschätzung. Unternehmen müssen verstehen, dass betriebswirtschaftliche Verluste durch Unfälle oft weit höher sind als jede Investition in Prävention. Ich setze auf Ehrlichkeit, pünktliche Kommunikation und professionelle Umsetzung. Themen mit Sicherheit gelöst – das ist mein Anspruch an meinen Berufsalltag.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Gespräch.
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