Michael Strauss über KI und die Zukunft digitaler Berufe

Künstliche Intelligenz gehört zu den Themen, die in Marketing und Vertrieb derzeit am häufigsten diskutiert und am seltensten nüchtern eingeordnet werden. Michael Strauss führt seine Unternehmen und beobachtet seit 2018, wie sich digitale Geschäftsmodelle verschieben. Im Gespräch erklärt er, welche Abläufe KI in seinen Teams tatsächlich übernommen hat, welche Vertriebsprinzipien davon unberührt bleiben und welche Fähigkeit er Einsteigern in digitale Berufe für die kommenden Jahre nahelegt.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Strauss, kaum ein Begriff wird aktuell so oft bemüht wie Künstliche Intelligenz. Wo greift KI in Ihrem Unternehmen wirklich in den Alltag ein?
Michael Strauss: Am deutlichsten in drei Bereichen: Content-Erstellung, Kundenkommunikation und interne Abläufe. Vieles, was früher Stunden gekostet hat, wie Recherche, Varianten von Texten, Auswertungen, Dokumentation, läuft heute deutlich schneller. Bei Michael Strauss und seinem Team wird jede neue Anwendung zuerst intern getestet, bevor sie in Kundenprojekten eingesetzt wird. Wichtig ist mir dabei die Reihenfolge: KI beschleunigt einen Prozess, sie ersetzt ihn nicht. Wer keinen funktionierenden Ablauf hat, automatisiert am Ende nur seine eigene Unordnung. Genau das beobachte ich häufig bei Unternehmen, die Tools einkaufen, ohne vorher zu klären, welches Ergebnis sie damit eigentlich erreichen wollen.
Wirtschaftsmacher.com: Sie sagen, im Vertrieb habe sich dagegen kaum etwas verändert. Wie passt das zusammen?
Michael Strauss: Es klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Die Werkzeuge haben sich stark verändert, die Grundlagen nicht. Wir arbeiten im Vertrieb teilweise noch mit Prozessen, die bereits 2018 entstanden sind, also in der Zeit meiner ersten Agentur, und die bis heute funktionieren. Der Grund ist einfach: Menschen entscheiden nach wie vor auf Basis von Vertrauen. Eine saubere Bedarfsanalyse, echtes Zuhören, klare Erwartungen und eine langfristige Kundenbeziehung sind keine technischen Fragen. Wer glaubt, ein Sprachmodell könne diese Arbeit übernehmen, verwechselt Effizienz mit Wirkung. KI kann ein Gespräch vorbereiten und nachbereiten. Führen muss es weiterhin ein Mensch, der versteht, was sein Gegenüber wirklich braucht.
Wirtschaftsmacher.com: Auf den Plattformen ändern sich Algorithmen und Reichweitenmechanismen ständig. Was bedeutet das für Marketingteams?
Michael Strauss: Dass sie sich von der Idee lösen müssen, es gebe eine dauerhaft gültige Formel. Formate, Nutzerverhalten und Verteilungslogiken verschieben sich fortlaufend. Teams, die nur ein Erfolgsrezept kennen, verlieren früher oder später Sichtbarkeit, nicht wegen mangelnder Qualität, sondern weil sich das Umfeld verändert hat. Wir testen deshalb kontinuierlich neue Formate und Kanäle in realen Projekten und bewerten Ergebnisse an konkreten Zahlen, nicht an Meinungen. Diese Testkultur ist aus meiner Sicht die eigentliche Kompetenz. Interessant ist übrigens der Kontrast: Während im Marketing permanente Anpassung nötig ist, bleiben die Vertriebsstrategien im Kern stabil. Wer beides durcheinanderbringt, ändert genau dort etwas, wo Konstanz besser wäre.
Wirtschaftsmacher.com: Welche Fähigkeit empfehlen Sie jemandem, der heute in digitale Berufe einsteigen möchte?
Michael Strauss: Die Fähigkeit, sich schnell in Neues einzuarbeiten und es unmittelbar anzuwenden. Das klingt unspektakulär, ist aber der Punkt, an dem sich Entwicklungen entscheiden. Fachliche Kompetenz bleibt die Voraussetzung, doch Werkzeuge veralten. Wer sich alle zwölf Monate auf einen neuen Stand bringen kann, bleibt relevant. Genauso wichtig ist die Frage, welche Tätigkeit zur eigenen Persönlichkeit passt. Kommunikative Menschen finden ihren Platz häufig in Beratung oder Vertrieb, analytisch veranlagte Menschen eher in Marketing, Content oder operativen Prozessen. Eine neue Fähigkeit zu lernen bringt wenig, wenn sie den eigenen Stärken dauerhaft entgegensteht. Für Quereinsteiger ist diese Selbsteinschätzung meist wertvoller als jeder Kurs, den sie sich anschließend kaufen.
Wirtschaftsmacher.com: Wie stellen Sie Ihre Ausbildungsarbeit auf diese Dynamik ein?
Michael Strauss: Indem wir nicht nur den aktuellen Stand vermitteln, sondern die Arbeitsweise dahinter. Jede Zusammenarbeit beginnt mit einer Bestandsaufnahme: beruflicher Hintergrund, vorhandene Fähigkeiten, verfügbare Zeit, persönliche Ziele. Daraus entsteht eine individuelle Strategie, ergänzt durch Videolektionen, regelmäßige Live-Calls, Analysegespräche und direkte Erreichbarkeit über WhatsApp. Entscheidend ist die praktische Anwendung in echten Projekten. Theorie allein verändert keine Ergebnisse. Persönlichkeitsentwicklung spielt dabei eine Rolle, ohne dass wir Mindset-Coaching betreiben: Wer seine Ziele nicht klar benennen kann, setzt auch keine Strategie konsequent um. Und ich sage offen, dass dieser Weg Zeit und Disziplin kostet. Schnelle Abkürzungen gibt es in digitalen Berufen ebenso wenig wie in klassischen.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Gespräch und die klaren Einordnungen.
Weiterführende Informationen zu Michael Strauss und seinem Ausbildungsansatz für digitale Fähigkeiten finden Interessierte unter www.business-schnelltest.de.
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