Georg Nagel: Würzburger Professor gewinnt Medizin-Nobelpreis für Lichtschalter im Gehirn

Georg Nagel, Professor an der Universität Würzburg, erhält den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026. Der 73-Jährige teilt sich die Auszeichnung mit Peter Hegemann von der Humboldt-Universität Berlin und Karl Deisseroth von der Stanford University. Gewürdigt werden ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen, die die Optogenetik begründeten.
- Georg Nagel und Peter Hegemann entdeckten das Protein Channelrhodopsin in einer Grünalge.
- Karl Deisseroth setzte das Prinzip zunächst in Nervenzellen von Ratten, später im Gehirn lebender Mäuse ein.
- Auf die drei Preisträger entfällt jeweils ein Drittel der Preissumme, die sich auf umgerechnet knapp eine Million Euro beläuft.
- Die Verleihung wurde am 5. Oktober 2026 bekanntgegeben, die feierliche Übergabe folgt am 10. Dezember.
Georg Nagel teilt sich den Nobelpreis mit zwei Forschern
Neben Georg Nagel stehen Peter Hegemann, der an der Humboldt-Universität Berlin forscht, und der US-Amerikaner Karl Deisseroth auf der Liste der Geehrten. Das Gesamtpreisgeld beträgt zwölf Millionen schwedische Kronen, was umgerechnet rund einer Million Euro entspricht. Die Nobelstiftung hatte die Summe anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Preises angehoben.
Optogenetik erlaubt es, einzelne Nervenzellen im lebenden Gehirn gezielt zu aktivieren oder abzuschalten. Diese Fähigkeit, einzelne Zellen mit Licht anzusteuern, geht auf Grundlagenarbeiten zurück, die Nagel gemeinsam mit Hegemann Anfang der 2000er-Jahre leistete.
Wie Channelrhodopsin Licht in Nervenimpulse verwandelt
Hegemann und Nagel entdeckten das Protein Channelrhodopsin an der Zelloberfläche der einzelligen Grünalge Chlamydomonas. Hegemann hatte in den frühen 1990er-Jahren festgestellt, dass die Algenzellen deutlich schneller auf Licht reagieren als das menschliche Auge: Ihre Reaktionszeit liegt bei etwa 0,5 Millisekunden, während das menschliche Auge mindestens zehn Millisekunden benötigt.
Bestrahlt man Channelrhodopsin mit blauem Licht, öffnet sich ein Kanal im Protein. Dadurch gelangen elektrisch geladene Ionen ins Zellinnere und lösen so einen Nervenimpuls aus. Georg Nagel injizierte die entsprechenden Gene aus der Alge in Froscheizellen, um die neu entdeckten Proteine Channelrhodopsin-1 und Channelrhodopsin-2 genauer zu untersuchen. In der Froscheizelle öffnete sich der Kanal bereits 0,2 Millisekunden nach dem Lichtpuls.
Der Werdegang von Georg Nagel führte über Frankfurt nach Würzburg
Georg Nagel wurde 1953 geboren und promovierte 1988 an der Universität Frankfurt. Zur gemeinsamen Entdeckung der beiden Channelrhodopsin-Gene im Erbgut der Alge Chlamydomonas kam es, als er später mit Peter Hegemann zusammenarbeitete, der bereits 1984 am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried promoviert worden war. 2003 veröffentlichten Hegemann und Nagel ihre Ergebnisse zu Channelrhodopsin-2 und schlugen vor, das Protein als Werkzeug zur Erzeugung elektrischer Impulse zu nutzen.
Karl Deisseroth, 1971 geboren, griff diesen Vorschlag auf: Er schleuste das Gen in Nervenzellen von Ratten ein und konnte damit Nervensignale mit blauem Licht auslösen. 2005 publizierte er diesen Durchbruch, 2007 setzte er den lichtgesteuerten Schalter erstmals im Gehirn lebender Mäuse ein.
Die Übergabe des Nobelpreises steht am 10. Dezember an
Dank der Optogenetik ließen sich, so das Nobelkomitee, Nervenschaltkreise aufspüren, die hinter bestimmten Erinnerungen, Gefühlen und Verhaltensmustern stehen. Die Methode wird inzwischen auch in der klinischen Medizin erprobt, etwa bei Ansätzen zur Wiederherstellung des Sehvermögens von Menschen mit Sehbehinderungen. Darüber hinaus brachte sie Einsichten in das Zusammenspiel zwischen dem Nervensystem und Organen wie Herz und Darm.
Die Zahl der Medizin-Nobelpreisträger seit 1901 liegt nun bei 232, davon sind 14 Frauen. Traditionell findet die feierliche Übergabe sämtlicher Nobelpreise am 10. Dezember statt, am Todestag des Stifters Alfred Nobel. An diesem Tag wird auch Georg Nagel gemeinsam mit Hegemann und Deisseroth die Auszeichnung in Stockholm entgegennehmen.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.






















