Barbara Zierler: Wie Gravurbude e.U. zeitgemäße Industriegravur neu denkt

Wenn von Gravur die Rede ist, denken viele an Namensschilder und Pokale. Barbara Zierler, gelernte Elektrobetriebstechnikerin und ehemalige technische Trainerin bei einem Laserhersteller, arbeitet mit ihrer Gravurbude e.U. in Trofaiach an einem anderen Bild: Industriegravur als planbarer technischer Prozess, ergänzt um Workshops und ein eigenes Materialsortiment. Im Interview erklärt sie, welche Anforderungen Unternehmen heute an professionelle Lasergravur stellen, warum die Vorbereitung oft mehr Zeit kostet als die Maschinenlaufzeit und wie sich Qualität bei steigenden Stückzahlen absichern lässt.
Wirtschaftsmacher.com: Frau Zierler, „Industriegravur“ klingt technisch und nach großen Serien. Was verbirgt sich in Ihrem Alltag konkret dahinter?
Barbara Zierler: Es ist tatsächlich beides – Technik und Alltag. Industrielle Lasergravur bedeutet, dass ein Bauteil eine Kennzeichnung erhält, die dauerhaft lesbar bleibt und exakt dort sitzt, wo sie im Zusammenbau später auch gebraucht wird. Bei der Gravurbude e.U. reicht das von Typenschildern und Positionierungslinien über Edelstahlgravur bis zur Beschriftung kompletter Serien. Was viele unterschätzen: Die Maschine läuft am Ende oft nur wenige Minuten, davor stehen technische Klärung, Materialtests und die Freigabe. Und ob eine Gravur in fünf Jahren noch lesbar ist, entscheidet sich nicht am Design, sondern an Parametern, Fokus und Materialkenntnis.
Wirtschaftsmacher.com: Warum halten sich dann so beharrlich die Vorstellungen von Handarbeit und Einzelstück?
Barbara Zierler: Weil das Wort „Graveurin“ ein altes Bild aufruft. Viele nehmen an, ich sitze mit einem Stichel oder einem kleinen Fräsgerät am Tisch und arbeite Stück für Stück. Das führt dazu, dass Anfragen mit hohen Stückzahlen gar nicht bei mir landen, obwohl genau das technisch unproblematisch ist – ob ein Teil oder mehrere Tausend, der Unterschied liegt in der Vorrichtung und in der Planung, nicht im handwerklichen Aufwand pro Stück. Ein zweites Vorurteil betrifft die Person: Eine Frau in der Technik ist für manche noch immer erklärungsbedürftig. Ich gehe damit inzwischen offensiv um, meine Firmenfarbe ist Pink, das klärt bestimmte Gespräche gleich am Anfang. Fachlich muss ich mich nicht rechtfertigen, ich habe Lasersysteme jahrelang von der Quelle her verstehen gelernt.
Wirtschaftsmacher.com: Sie kommen aus der Schulung eines Laserherstellers. Wie prägt diese Herkunft die Prozesse in Ihrem Betrieb?
Barbara Zierler: Sehr stark. Ich habe in dieser Zeit die Academy für Österreich mit aufgebaut und war international für Einschulungen unterwegs – bei Kunden wie in Niederlassungen. Wer erklären muss, wie eine Maschine reagiert, versteht die Zusammenhänge anders als jemand, der nur Dateien schickt und auf ein Ergebnis wartet. Diese Denkweise steckt heute in jedem Auftrag: Zuerst wird abgeklärt, welches Material vorliegt, welche Toleranzen gelten und wie das Bauteil später beansprucht wird. Bei komplexeren Projekten komme ich in den Betrieb oder wir machen einen Videocall mit der Marketing- oder Technikabteilung, damit die Anforderungen vollständig erfasst sind. Danach geht ein Entwurf zurück – und ohne schriftliche Freigabe startet keine Maschine. Diese eine Regel verhindert die meisten Reibungen, über die andere klagen.
Wirtschaftsmacher.com: Der Markt hat sich durch günstige Einstiegsgeräte stark verändert. Wie wirkt sich das auf professionelle Anbieter aus?
Barbara Zierler: Der Markt ist mit günstigen Geräten regelrecht überschwemmt worden, und damit auch mit Ergebnissen, die von außen ähnlich aussehen, aber nicht dasselbe sind. Verrußte Kanten, ausgefranste Konturen, Beschriftungen, die nach kurzer Nutzung verblassen – das fällt oft erst auf, wenn das Teil schon im Einsatz ist. Für mich war diese Entwicklung ein Auslöser, zwei neue Bereiche aufzubauen, statt in einen reinen Preiswettbewerb einzusteigen: Wissensvermittlung in Workshops und ein Materialsortiment, das für den Laser wirklich geeignet ist. Wer Lasergravur lernen will, bekommt bei mir keine oberflächliche Zusammenfassung, sondern Materialkunde und die Parameter dahinter. Qualität wird dadurch nachvollziehbar – und das ist letztlich das beste Argument gegen Dumpingpreise.
Wirtschaftsmacher.com: Sie sprechen von Workshops und Materialhandel. Wie passt das zur industriellen Seite des Unternehmens?
Barbara Zierler: Es hängt enger zusammen, als es zunächst wirkt. Für die Industriegravur brauche ich exakte Materialkenntnis – dieses Wissen gebe ich in Kleingruppen an Hobby-Anwender, kleine Einpersonenunternehmen und Fablabs weiter. Firmen nutzen die Formate auch als Teambuilding: In einer echten Produktionsatmosphäre eine Aufgabe gemeinsam zu lösen, wirkt anders als ein Seminarraum. Parallel entsteht das Materialangebot mit Acrylplatten in Strukturen und Farben, die am europäischen Markt kaum verfügbar sind, sowie Edelstahlrohlingen in belastbarer Qualität. Der Launch verzögert sich derzeit noch, die Ware befindet sich in der Logistik – ein aktualisiertes Datum folgt. Wichtig ist mir, dass die Kundschaft das Material in Trofaiach auch angreifen kann und nicht auf Produktfotos angewiesen ist.
Wirtschaftsmacher.com: Wachstum bedeutet meist mehr Aufträge bei gleicher Zeit. Wie sichern Sie Qualität, wenn das Volumen steigt?
Barbara Zierler: Durch Struktur, nicht durch Tempo. Seit der Gründung im März 2023 in der Steiermark sind mehrere Maschinen dazugekommen, 2025 die Vor-Ort-Gravur für Events, jetzt Workshops und Material. Damit das nicht auseinanderfällt, arbeite ich mit festen Abläufen: Anfrage, technische Aufnahme, Angebot, Entwurf, Freigabe, Produktion. Dass seit 2017 exakt zwei Aufträge nachgearbeitet werden mussten, führe ich auf diese Reihenfolge zurück – und in beiden Fällen wurde eine Lösung im Sinne der Kundschaft gefunden. Die größere Disziplin liegt allerdings im Neinsagen: Ein Laser kann fast alles, und als kreativer Mensch verliert man sich darin schnell. In fünf Jahren möchte ich stabil gewachsen sein, mit zwei bis drei Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern, ausgebautem Materialbereich – und weiterhin am Standort Trofaiach.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das Interview!
Wer sich über Industriegravur, Seriengravur oder die Workshops informieren möchte, findet Details und Kontaktmöglichkeiten unter www.gravurbude.at.
Impressum:
Gravurbude e.U.
Roseggergasse 4/4
8793 Trofaiach
Telefon: 0664 3571055
E-Mail: laser@gravurbude.at
Website: www.gravurbude.at &
www.lasertech-solution.at

































