Benjamin Grimus über KI-gestütztes Brandshipping als Alternative

Der Ruf des Dropshippings hat gelitten. Wer heute nach einem zweiten Einkommen im Onlinehandel sucht, stößt schnell auf Versprechen, die sich in der Praxis nicht halten lassen. Benjamin Grimus, Gründer von Emperia E-Commerce, kennt beide Seiten: Er hat selbst mit Billigware und langen Lieferzeiten begonnen und daraus einen anderen Ansatz entwickelt. Im Gespräch mit Wirtschaftsmacher.com erläutert er, was Brandshipping technisch und wirtschaftlich vom klassischen Modell unterscheidet, an welchen Stellen künstliche Intelligenz tatsächlich Arbeit übernimmt und woran sich unseriöse Coaching-Angebote erkennen lassen.
Wirtschaftsmacher.com: Herr Grimus, viele Einsteiger halten Dropshipping inzwischen für unseriös. Ist diese Skepsis berechtigt?
Benjamin Grimus: Teilweise schon, und das muss man auch offen sagen. Zwischen 2018 und 2020 hat eine ganze Welle von Anbietern Ware über Plattformen wie AliExpress verkauft, mit drei bis vier Wochen Lieferzeit und einer Qualität, die niemanden zum Wiederkauf bewegt hat. Ich habe das selbst durchlaufen und irgendwann gemerkt: Dieses Modell ist strukturell zum Scheitern verurteilt, weil es keinen einzigen zufriedenen Stammkunden hervorbringt. Genau deshalb habe ich mit Emperia E-Commerce einen anderen Weg eingeschlagen. Die Skepsis richtet sich also gegen ein Verfahren, das ich ebenfalls für überholt halte, nicht gegen den Onlinehandel als solchen.
Wirtschaftsmacher.com: Was macht Brandshipping dann konkret anders?
Benjamin Grimus: Der Unterschied beginnt bei der Frage, was überhaupt verkauft wird. Beim klassischen Modell testet man Produkte, verwirft, was nicht läuft, und wechselt weiter. Das Ergebnis ist ein austauschbarer Shop ohne Wiedererkennungswert. Brandshipping kehrt die Reihenfolge um: Zuerst steht die Positionierung, dann folgen Produkte, die dazu passen. Dazu gehören Lieferanten mit vertretbaren Lieferzeiten und Qualitätsstandards, ein eigener Auftritt und eine Kundenkommunikation, die nicht nach Massenware klingt. Diese Denkweise habe ich aus dem Aufbau der Marke Bgseakk Magnetit mitgenommen, die ich 2021 mit dänischen Geschäftspartnern gegründet habe. Die Produkte dieser Marke verkaufen sich nach wie vor in etwa 100 verschiedenen Onlineshops international und tatsächlich steht mein Name auf jedem Produkt. Bei einer solchen Konstellation kann man sich minderwertige Ware nicht erlauben.
Wirtschaftsmacher.com: Sie beschreiben Ihre Arbeit als KI-gestützt. Wo endet dabei das Schlagwort und wo beginnt die tatsächliche Anwendung?
Benjamin Grimus: Der entscheidende Punkt ist die Produktrecherche. Früher waren es das eigene Gefühl und einige Stunden Recherche, heute lassen sich Nachfrageverläufe, Wettbewerbsdichte, Margenspielräume und Werbekosten nebeneinanderlegen und systematisch bewerten. Wir nennen das Kennzahlenanalyse, und sie sorgt dafür, dass eine Entscheidung nachvollziehbar bleibt, statt dem Zufall überlassen zu werden. Ein zweites Feld ist die Content-Produktion: Produkttexte, Anzeigenvarianten, Bildkonzepte. Dinge, für die ein Einzelner nebenberuflich früher Wochen gebraucht hätte. Drittens die Kampagnenarbeit, bei der KI beim Auswerten von Testergebnissen und beim Nachschärfen von Zielgruppen unterstützt. Was sie nicht ersetzt, ist die Beurteilung, ob eine Marke stimmig ist. Diese Einschätzung braucht Erfahrung, und ich teste neue Werkzeuge grundsätzlich erst in eigenen Shops, bevor sie bei Klienten zum Einsatz kommen.
Wirtschaftsmacher.com: Sie haben früher selbst in Online-Ausbilungen und Trainings im E-Commerce Bereich investiert, von denen nicht alle überzeugend waren. Woran erkennt man ein unseriöses Angebot?
Benjamin Grimus: Es gibt einige Muster, die sich fast immer wiederholen. Das erste sind völlig unrealistische Zahlenversprechen mit Zeitangabe. Wer garantierten Reichtum in wenigen Wochen ankündigt, verkauft eine unrealistische Erwartung und kein Geschäftsmodell. Das zweite ist die Betreuung nach dem Abschluss: Wenn es nach der Zahlung nur eine Videobibliothek und einen Gruppenchat gibt, war der Verkauf das eigentliche Produkt. Drittens fehlende Transparenz bei den Kosten. Werbebudget, Shopkosten und Warenvorfinanzierung gehören vor der Entscheidung offengelegt, nicht danach. Und viertens die Frage, ob der Anbieter selbst operativ tätig ist oder nur über vergangene Erfolge spricht. Ich habe aus eigenen Fehlinvestitionen gelernt: Ein einziges gutes 1:1-Mentoring bei jemandem, der tatsächlich im Geschäft steht, hat mich weitergebracht als alles andere zusammen.
Wirtschaftsmacher.com: Was sollte ein persönliches E-Commerce-Mentoring in der Praxis stattdessen leisten?
Benjamin Grimus: Es sollte Arbeit abnehmen, nicht nur Wissen weitergeben. Bei uns wird der Shop weitgehend fertig aufgebaut, und die einzelnen Schritte gehen wir gemeinsam durch, von der Auswahl der Produkte über die Anbindung an Händler und Lieferanten bis zu den ersten Kampagnen. Gerade diese direkten Kontakte ersparen Einsteigern Monate an Unsicherheit, weil sie nicht bei null anfangen müssen. Genauso wichtig ist Ehrlichkeit über den Aufwand: Wer zehn bis fünfzehn Stunden Wochenarbeit neben dem Hauptjob nicht aufbringen kann, wird auch mit dem besten System nicht weit kommen. Wir haben bislang über 250 Klienten begleitet und ich sehe daran vor allem eines: Diejenigen, die dabeibleiben, bauen ihre Marke über Jahre weiter aus.
Wirtschaftsmacher.com: Ihre Zielgruppe sind Angestellte, die ein zweites Standbein online aufbauen wollen. Was raten Sie ihnen für den Start?
Benjamin Grimus: Geduld statt Ungeduld. Das klingt unspektakulär, entscheidet aber fast alles. Wer in den Onlinehandel einsteigt, um in acht Wochen den Job zu kündigen, trifft unter Druck schlechte Entscheidungen. Realistisch ist der nebenberufliche Aufbau über Monate, bei überschaubarem Kapitaleinsatz und ohne eigenes Lager oder Personal. Dazu gehört die Bereitschaft, in eine Marke zu investieren statt in ein einzelnes Produkt, konsequente Umsetzung statt endloser Planung und Offenheit für neue Werkzeuge, insbesondere im Bereich KI. Ein Beispiel, das mich selbst beeindruckt hat: Daniel, der aus einer klassischen Festanstellung zu uns kam und sein E-Commerce-Geschäft heute hauptberuflich sowie ortsunabhängig betreibt. Nach eigener Einschätzung investiert er dafür täglich rund drei bis vier Stunden.
Wirtschaftsmacher.com: Wo sehen Sie den Onlinehandel in fünf Jahren?
Benjamin Grimus: Der nebenberufliche Einstieg wird zum Normalfall, nicht mehr zum riskanten Vollzeitprojekt. Das verändert auch die Anbieterseite: Wer nur Theorie verkauft, wird es schwer haben, weil Interessenten inzwischen genauer hinsehen. Parallel wird KI im operativen Geschäft vom Experiment zum Standardwerkzeug, vom Kundenservice bis zur Anzeigenoptimierung. Meine eigenen Ziele gehen in Richtung weiterer Marken und stärkerer Internationalisierung mit Emperia E-Commerce, gleichzeitig möchten wir in den nächsten fünf Jahren 250 weitere Menschen dabei begleiten, sich über einen eigenen Onlineshop unabhängiger zu machen.
Wirtschaftsmacher.com: Vielen Dank für das offene Gespräch.
Weiterführende Informationen zum Brandshipping-Ansatz und zu den Partnerschaften von Emperia E-Commerce finden Interessierte unter partnerschaft.emperia-ecommerce.de.
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